Auf der Suche nach einem neuen Zuhause lassen vier Familien alles hinter sich und gehen «uf u dervo», wie es der Berner Gölä promotet. Wenn sein Titelsong zur DOK-Serie «Auf und davon» über den Bildschirm flimmert, dann sitzt die Schweiz vor dem Fernseher. Mit regelmässig gut 700 000 Zuschauern und einem Marktanteil von 36,5 Prozent gehört die Doku über Schweizer Auswanderer zu den Topsendungen des SF – doch auch sie schafft es nicht, die Gesamt-Quote über die 30-Prozent-Marke zu hieven.

Im ersten Halbjahr 2012 lag der Marktanteil der Sender SF1, SF2 und SF Info bei 29,8 Prozent. Dies zeigen offizielle Zahlen, die dem «Sonntag» vorliegen. Damit geht der Krebsgang des Schweizer Fernsehens weiter. 2011 fiel der Marktanteil erstmals unter 30 Prozent. Nie schalteten weniger Zuschauer die SF-Programme ein.

Die Ursache schien schnell gefunden: Die grossen Sportereignisse wie eine Fussball-EM fehlten, hiess es damals. Doch auch die diesjährige Europameisterschaft konnte den Zuschauerschwund nicht stoppen. Zwar stieg im Juni der Marktanteil erstmals seit drei Monaten wieder über die psychologisch wichtige Grenze auf 33,2 Prozent, doch im Vergleich zu letzten grossen Turnieren ist dies nur ein geringer Trost.

Mit Beteiligung der Schweizer Nati erreichte das SF an der WM 2010 einen Marktanteil von 39,7 Prozent. Die EM im eigenen Land sorgte im Juni 2008 gar für Traumquoten mit einem Marktanteil von 44,1 Prozent – das war der höchste Wert seit über zehn Jahren.

Davon kann das SF heute nur träumen. Denn schon vor den Sportsendungen verloren vor allem die Flaggschiffe von SF1 massiv an Zuschauern: Knapp 700 000 Leute schauten 2011 im Schnitt die Hauptausgabe der «Tagesschau», 2012 sogar noch weniger. Vor einigen Jahren waren es noch rund eine Million.

Im ähnlichen Ausmass verloren «10 vor 10», die «Rundschau» oder der «Kassensturz». Hinzu kommt, dass die eingekauften US-Serien längst kein Quotengarant mehr sind. Besonders gut liefen hingegen «Benissimo» oder zu Jahresbeginn die «grössten Schweizer Talente». Einen Teil des Rückgangs lässt sich dadurch erklären, dass viele Zuschauer ins Internet abgewandert sind. Dort können sie die Sendungen auch später anschauen.

2012 stieg die Zahl der monatlichen User des sf.tv-Portals um 20 Prozent auf 1,5 Millionen. Ab 2013 sollen deshalb die Internetuser in den Marktanteil mit einfliessen. Doch damit allein ist es nicht getan. Das Digitalfernsehen mit über 150 Sendern gräbt dem SF weiterhin massiv Zuschauer ab.

Das SF hofft, im 2. Halbjahr mit verschiedenen neuen Formaten einen Hit zu landen. Darunter sind Sendungen wie das Ranking-Format «Gipfelstürmer», das Schweizer Pendant zur deutschen «ultimativen Chartshow» oder «Die 10 …». Aber auch die neue Quizsendung «Top Secret» oder die DOK-Serie «Assistenzärzte» sind in den Startlöchern.

Die Quote weiter aufpolieren sollen die Olympischen Spiele in London und die Super League. Ab Mitte Juli zeigt das SF am Sonntagnachmittag pro Saison 36 Spiele live.

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