Einfach hatte es Franziska Ingold nicht. Kaum in Rom als Italien-Korrespondentin angekommen, war dort der Teufel los. Berlusconi und der ökonomische Zustand des Landes lieferten Schlagzeilen am Laufmeter. Einfach machte es Ingold allerdings auch ihren Zuschauern nicht; Sie stotterte und stolperte durch die Live-Zuschaltungen. Sehr zum Unmut des Publikums. Und zum Unmut einer «Sonntag»-Jury*, die sich über längere Zeit mit den Leistungen der wichtigsten SF-Auslandkorrespondenten beschäftigte: Ingold landete im Ranking abgeschlagen auf dem letzten Platz. Sie erhielt die ungenügende Note 3 und bekam niederschmetternde Beurteilungen wie «Beruf verfehlt», «wirkt sehr provinziell», «absolut überfordert», «hölzern und unsicher».

Ebenfalls ungenügend schnitten Pascal Weber (Israel/Palästina) mit 3,9, und Stefan Reinhart (Deutschland) mit 3,7 ab. Am andern Ende der Notenskala befinden sich Barbara Lüthi (China), die es auf eine 4,9 brachte und Werner van Gent (Türkei/Griechenland), der eine schlanke 5 erreichte. Besser war nur noch Ulrich Tilgner (Naher und Mittlerer Osten): Mit 5,1 kam er auf den höchsten Notendurchschnitt. Und bekam viele Komplimente: «Der sprachgewaltigste unter den Korrespondenten», «der Mann zieht die Zuschauer in seinen Bann», «das Aushängeschild».

Zwischen den Stars und den Untalentierten liegt ein grosses und braves Mittelfeld, das ordentliche Arbeit abliefert, ohne indes sonderlich zu glänzen. Sie alle zusammen haben für das grösste Medienunternehmen der Schweiz eine Visitenkartenfunktion. Nur die «NZZ» und das Schweizer Radio verfügen im Ausland über mehr feste Mitarbeiter.

Ein Korrespondent des Schweizer Fernsehens verbringt normalerweise vier bis sechs Jahre am gleichen Ort. «Je nach persönlicher oder familiärer Situation», so SRF-Sprecher Marco Meroni, könne der Aufenthalt auch verlängert oder verkürzt werden. Auslandkorrespondenten würden «maximal zweimal» eingesetzt, bevor sie wieder in die Zentrale zurückkehrten. «Dies, um nachkommenden Journalistinnen und Journalisten die Möglichkeit zu bieten, Ausland-Erfahrungen sammeln zu können. Und weil für unsere Redaktionen die Auslandkompetenz der Rückkehrer sehr wertvoll ist.»

Auf die Frage, ob das stark mundartlich eingefärbte Hochdeutsch von Franziska Ingold und Stefan Reinhart bei den Vorgesetzten ein Thema sei, antwortete Meroni: «Wichtig ist in erster Linie, dass die Korrespondenten inhaltlich sattelfest sind und die politische Situation in ‹ihren› Ländern professionell einschätzen. SRF bietet aber eine Reihe von verschiedenen Ausbildungsmodulen an, die die Korrespondenten jeweils durchlaufen.» Offensichtlich mit unterschiedlichem Erfolg.

* Die Jury bestand aus Sandro Brotz, Peter Burkhardt, Stefan Künzli, Kurt-Emil Merki, Christof Moser, Patrik Müller, Florence Vuichard, Gregor Waser, Benjamin Weinmann.

Punkt 1: Sprachliche Kompetenz;
Punkt 2: Sachkompetenz, Dossierkenntnisse;
Punkt 3: Ausstrahlung, Präsenz; Ø: Notendurchschnitt.

Ulrich Tilgner, Naher und Mittlerer Osten
1: 5,4
2: 5,4
3: 4,6
Ø: 5,1
«Der Star unter den SF-Korrespondenten.» «Ohne ihn hätte das Schweizer Fernsehen ein Problem.» «Wirkt sehr kompetent, spricht klar und verständlich.» «Eine Kult-Figur.» «Ist manchmal etwas sehr berauscht von sich selber.»

Werner van Gent, Griechenland, Türkei
1: 4,8
2: 5
3: 5,1
Ø: 5
«Er überzeugt vor allem mit seiner Dossierkenntnis.» «Die Kompetenz in Person. Der Einzige, der seine Länder aus dem Effeff kennt – da verzeiht man ihm sogar den Rudi-Carrell-Akzent.» «Ein sicherer Wert in unsicheren Zeiten.» «The grand old man der SF-Korrespondenten, der mit seinem niederländischen Einschlag gerne kokettiert.»

Barbara Lüthi, China
1: 4,3
2: 5,4
3: 5,1
Ø: 4,9
«Lebhaft, engagiert, kritisch – und das in einer Diktatur. Eine Wohltat gegenüber dem regimetreuen Peter Achten.» «In allen Belangen gut bis sehr gut. Engagiert, sympathisch, ungekünstelt, natürlich.» «Vermittelt den positiven Eindruck einer rasenden Reporterin.»

Jonas Projer, EU Brüssel
1: 4,8
2: 4,8
3: 4,9
Ø: 4,8
«Der Grünschnabel unter den SF-Korrespondenten hat sich sehr schnell in Brüssel etabliert und überzeugt durch sichere und kompetente Auftritte.» «Vielversprechend.» «Kommt sicher und kompetent rüber.» «Muss seine Rolle zuerst noch finden.»

Arthur Honegger, USA
1: 4,6
2: 4,7
3: 5,1
Ø: 4,8
«Wirkt etwas sehr von sich überzeugt.» «Wirkt leicht versnobt, aber kompetent.» «Sieht gut aus, redet gut, sein Problem ist; er weiss das auch.» «Ist telegen, wirkt ansprechend.» «Macht einen hochprofessionellen Eindruck und verfügt über ein gerüttelt Mass an Selbstbewusstsein.»

Tilman Lingner, USA
1: 4,3
2: 4,8
3: 4,3
Ø: 4,5
«Wirkt sehr oft ein bisschen bieder und grau.» «Der Langweiler aus Washington.» «Eigentlich nicht schlecht. Hat aber starke Konkurrenz bei den deutschen öffentlich-rechtlichen Sendern, die oft punktgenauer aus den USA informieren.» «Ein bisschen mehr
Pfeffer würde ihm guttun.»

Michael Gerber, Frankreich
1: 4,1
2: 4,1
3: 4,1
Ø: 4,1
«Noch keine feste Grösse.» «Nicht gerade ein Charismatiker.» «Solider Schweizer Durchschnitt. Hat einen Hang zu episodisch-irrelevanten Themen.»

Erwin Schmid, Österreich, Osteuropa, Balkan
1: 4,2
2: 4,3
3: 3,6
Ø: 4
«Der Sonderkorrespondent, der dem Zuschauer immer vorgaukeln muss, dass er etwas vom Land versteht, in das er gerade geschickt wurde.» «Ein langweiliger Korrespondent.» «Nicht telegen.»

Peter Balzli, England
1: 4
2: 4,4
3: 3,5
Ø: 4
«Der Clown unter den Korrespondenten. Sympathisch – aber kann man ihn ernst nehmen?» «Passt zu den leicht verschrobenen Briten.» «Er presst seine Worte heraus, als würde ihm jemand auf dem Bauch stehen.» «Hat etwas zu sagen. Seine Holperer schaden aber der Konzentration des Zuschauers.» «Leider nervt die Stimme.»

Pascal Weber, Israel, Palästina
1: 4,1
2: 3,9
3: 3,8
Ø: 3,9
«Hatte einen denkbar schwierigen Einstand: Der Nahost-Korrespondent ohne Nahost-Kenntnisse musste den arabischen Frühling begleiten und versagte prompt.» «Setzt keine Akzente.» «Gehört zur Gilde der banalen Wichtigtuer.»

Stefan Reinhart, Deutschland
1: 3,3
2: 4,1
3: 3,7
Ø: 3,7
«08/15-Korrespondent.» «Wirkt immer etwas gequält.» «Warum hat SF ausgerechnet in Deutschland einen Korrespondenten, der kein richtiges Deutsch kann?»

Franziska Ingold, Italien
1: 2,7
2: 3,5
3: 2,9
Ø: 3
«Bringt kaum einen geraden Satz zustande.» «Eine Zumutung.» «Sie berichtete so über die Wirren, die es im Zusammenhang mit dem Berlusconi-Rücktritt gab, dass man am liebsten auch ihren Rücktritt gefordert hätte.» «Sie trägt auswendig gelernte Texte vor. SF tut ihr und sie sich selber keinen Gefallen damit.»

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