Die Reaktion des SRF folgte einen Tag später. Ohne ironischen Unterton. Chefredaktor Tristan Brenn verurteilte die Kolumne auf der SRF-Website als «despektierlich», «unwahr», «boshaft» und «polemisch». Einen Grund dafür, warum die Sendungen ausfallen, nannte er nicht. Stattdessen gab er zu Protokoll, das SRF habe «jederzeit qualitativ hochstehenden Informationsjournalismus» gewährleistet.

Die Episode wäre nicht der Erwähnung wert, wenn sie nicht symptomatisch wäre. Im SRF empfindet man Kritik als unerhört, ja fast als blasphemisch. Zeitungsjournalisten werden bereits abgemahnt, wenn sie den Begriff «Staatsfernsehen» verwenden. Die Dünnhäutigkeit hat mit dem Selbstverständnis zu tun, das innerhalb der SRG herrscht. Obwohl sie das mit Abstand grösste Medienunternehmen der Schweiz ist, fühlt sie sich bedroht: Von privaten Medienhäusern, vom Ausland, von «Kräften, die alle eidgenössischen Institutionen schlechtmachen» (O-Ton Roger de Weck). Aus diesem Gefühl heraus entwickelte sich eine Wagenburgmentalität – verstärkt dadurch, dass die RTVG-Vorlage, welche die SRG zum Plebiszit über sie selber erhob, um ein Haar abgelehnt worden wäre.

In der Wagenburg glaubt man, die Strategie gegen die angeblichen Bedrohungen gefunden zu haben. Man stilisiert die SRG zu einer für die Schweiz überlebenswichtigen Institution empor: Nur sie sichere den Zusammenhalt unseres viersprachigen Landes. Selbst aus dem Ausland kopierte, quotenträchtige Show-Formate werden so gerechtfertigt: Diese hätten einen «Lagerfeuer-Effekt» für die Nation.

Diese Selbstüberhöhung wird nun noch um eine Dimension reicher. Die SRG sieht sich auch als letzte Garantin für unabhängigen Qualitätsjournalismus. Fintenreich nutzt das SRG-Lobbying den wirtschaftlichen Druck, unter dem die Printmedien stehen, um zu warnen, dass der eine oder andere Verlag womöglich von Christoph Blocher übernommen werden könnte. In Hintergrundgesprächen mit Politikern wird das Gespenst einer «Blocherisierung der Presse» an die Wand gemalt. Um zu folgern: Eine Schwächung der SRG wäre für die direktdemokratische Schweiz gefährlich.

Das ist irreführend und anmassend. Wichtig für unsere Demokratie ist nicht eine omnipotente SRG. Sondern Medienvielfalt. Das ausufernde Service-public-Verständnis der SRG aber schadet dieser. Sie produziert – mit Gebühren und ohne grosse Werbebeschränkungen – viele Inhalte, die genauso gut von Privaten erbracht werden (könnten). Wer die SRG zu ihrem Kernauftrag zurückführen möchte, gefährdet weder den Zusammenhalt der Schweiz noch leistet er der «Blocherisierung» Vorschub. Im Gegenteil, er hilft, die Medienvielfalt zu erhalten.

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