Herr Thurnheer, bald ist Schluss mit «Benissimo». Schon etwas wehmütig?
Bernard Thurnheer: Nein. Sicherlich habe ich nicht gerade Freude, aber in den Sommerferien hatte ich genügend Zeit, mich damit abzufinden. Jetzt gilt es, noch einmal eine gute Show zu liefern. Dann kann man entspannt zurückschauen.

103 Folgen sind es geworden. Hat man vor 21 Jahren damit gerechnet, dass die Sendung ein solcher Erfolg wird?
Am Anfang war alles ungewiss. Wir wollten zuerst alle Elemente – also Showacts, Tanz- und Comedy und die Millionenziehung – einmal je zu einem Drittel gewichten und nachher weiter justieren. Wie sich gezeigt hat, war die Mischung so aber genau richtig und darum haben wir es belassen. Der Erfolg kam so von selbst.

Und trotzdem ist es jetzt fertig: War das Konzept vielleicht zu alt?
Wir haben es ja immer wieder sanft renoviert – auch weil wir ein jüngeres Publikum ansprechen wollten. Der Effekt war immer der gleiche: Wir haben zwar zehntausend Junge gewonnen, dafür dreissigtausend Alte verloren. Im Nachhinein würde ich am Ursprungskonzept der Sendung gar nichts ändern.

Wissen Sie, wie alt heutzutage der Durchschnittszuschauer von «Benissimo» ist?
Das ist kein Geheimnis: Der ist etwa 57 Jahre alt. Das ist aber kein Phänomen, das «Benissimo» exklusiv spürt, das geht allen Fernsehsendern am Samstagabend so. Die jungen Zuschauer sind im Ausgang und nicht daheim vor dem Fernseher.

Stefan Raab und Konsorten versuchen gezielt mit Samstagabendshows die Jugendlichen zu ködern.
Heute kann man nur noch Fernsehen für Junge oder für ältere Semester machen. «Benissimo» war als Show konzipiert für 7- bis 99-Jährige. Das geht heutzutage nicht mehr. Die Zeit der klassischen Samstagabend-Familien-Kiste ist wohl einfach etwas vorbei.

Es kommen Stars zu Ihnen wie Pink oder Robbie Williams, bei denen meine Oma die Nase rümpft. Programmieren Sie da nicht am Publikum vorbei?
Sie dürfen nicht vergessen: Niemand fühlt sich so alt, wie er im Pass ist, sondern immer mindestens zwölf Jahre jünger. Niemand sagt von sich, ich bin der Durchschnittszuschauer. Viele der Showacts, die vermeintlich ein jüngeres Publikum ansprechen, passen daher ganz gut zu uns.

Sie hatten immer Weltstars in der Sendung, so zum Beispiel Take That kurz vor ihrer Auflösung, als Fans fast das Studio gestürmt haben.
Na ja, jene, die fast das Studio gestürmt haben, waren überwiegend junge Mädchen mit Zahnspangen. So gefährlich wären die nicht geworden.

Trotzdem: Wie ist Ihnen das gelungen, dass Weltstars in eine Sendung kommen, in der ein Moderator mit ein paar Kugeln steht?
Wir hatten ein exzellentes Team, das über ausgezeichnete Kontakte verfügte. Und man plant solche Sachen ja auch nicht von Sendung zu Sendung, sondern immer weit im Voraus. Wir hatten zudem einen guten Ruf für unsere Produktionen. Es kam auch vor, dass uns Stars an ihre ebenfalls prominenten Kollegen weiterempfohlen haben. Aber man darf sich auch kein falsches Bild machen: Die Zeit während des Interviews war etwa fünfzig Prozent der Gesamtzeit, in der ich die Promis gesehen habe.

Kürzlich hat sich Tom Hanks über «Wetten, dass ...?» lustig gemacht, weil er drei Stunden einfach doof herumgesessen hat. Sind Sie froh, dass Ihre Gäste sofort nach dem Auftritt wieder gingen und nicht noch mit Ihnen Gewinner anriefen?
Das wäre wirklich keine gute Vorstellung gewesen. Aber bei uns war immer klar: Nur weil jemand prominent ist, kommt er nicht zu uns. Bei uns musste man etwas leisten. Etwa Singen oder eine andere Darbietung bringen. Etwas überspitzt kann man sagen, bei uns mussten die Leute mehr können als bei «Wetten, dass ...?» Dafür durften sie früher wieder gehen.

Wie viel war da jeweils einstudiert? «Benissimo» wirkte immer so herrlich improvisiert.
Die Sendung war ja auf mich zugeschnitten und das heisst immer: Stell die Stärken in den Vordergrund und kaschiere die Schwächen. Ein Laufstegmodell bin ich nicht, dafür kann ich gut plaudern. Also bin ich wenig gelaufen, dafür habe ich viel gesprochen. Aber alle An- und Abmoderationen habe ich auswendig gelernt. Um es mit Kurt Felix zu sagen: «Man kann nur etwas aus dem Ärmel schütteln, wenn man vorher etwas in den Ärmel gesteckt hat.» Besonders genossen habe ich aber schon die Telefonate mit den Gewinnern, da wusste man nie genau, was passiert, und das hat den Reiz ausgemacht.

Und woher hatten Sie eigentlich all die Geräte? Etwa die Maschine, in der es Lose regnete?
Die haben wir alle von Grund auf neu entwickelt, und da steckte viel Arbeit dahinter. Am Anfang hat es die Lose so schnell runtergeschossen, dass es der Assistentin wohl die Arme aufgeschnitten hätte, wenn wir nicht noch einige Anpassungen gemacht hätten.

Wo haben Sie sonst noch grosse Anpassungen gemacht?
Wir haben es zwar nie offiziell zugegeben, aber die «Friends» waren zwei verschiedene Truppen. Eine, die Sketche spielt und eine, die tanzt. Am Anfang haben alle alles gemacht. Aber etwa ein Erich Vock am Tanzen hat höchstens etwas Komisches, aber nichts Professionelles und wir hatten ja den Anspruch, hochwertige Unterhaltung in allen Bereichen zu liefern.

Zum Schluss: Ist der «Schnurri der Nation» ein passender Übername?
Ach hören Sie auf. Ich finde den Namen ungemein unoriginell. Ja, ich kann schnell sprechen, aber als Fussballkommentator beispielsweise bin ich im Schweizer Fernsehen einer von denen, die am wenigsten sagen. Und sowieso: Ausser euch Journalisten sagt mir schon lange niemand mehr so.

Wie sagen die Ihnen dann?
Ich bin für alle einfach der Beni.

Beni National?
Das wiederum finde ich schön. National – dieses Anhängsel kriegt nicht jeder, und oft haben es die Medien versucht, jemandem anzuhängen, und es ist nicht geblieben. National ist fast schon ein Ritterschlag.

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