Fernseh-Kunden der Swisscom können sich auf etwas gefasst machen. Wenn sie im Sommer Spiele der Fussball-Europameisterschaften in der neuen Ultra-HD-Qualität (UHD) schauen wollen, wird nebenbei ihr Internet zusammenbrechen. Das glaubt zumindest Bernard Strapp, Sprecher der Swisscom-Konkurrentin UPC Cablecom. «Darauf würde ich Wetten abschliessen», sagt er. Denn das Verbreiten von Inhalten in UHD-Qualität frisst viel mehr Bandbreite, als dies beim heute üblichen HD-Standard der Fall ist.

Der Ärger beim Kabelnetzriesen hat seinen Grund. Mitte dieser Woche kündigte die Swisscom an, Spiele der Fussball-EM in Frankreich in UHD auszustrahlen. UHD ist die nächste Evolutionsstufe des Fernsehens, im Vergleich zum heute gängigen HD-Standard wird die Anzahl der Pixel nochmals vervierfacht, die Farbtiefe und die Auflösung sind deutlich besser.

Pikant am Swisscom-Angebot ist die Zusammenarbeit mit der SRG. Denn die wollte bis vor kurzem nichts von UHD wissen. «Investitionen in diese Technologie wären zurzeit mit hohen Risiken verbunden, die sich unter Berücksichtigung der noch sehr tiefen Gerätepopulation nicht rechtfertigen liessen», sagte SRG-Sprecher Daniel Steiner im September zur «Schweiz am Sonntag». Eine Verbreitung von EM-Spielen in UHD sei nicht geplant. Noch im Januar liess sich die SRG mit derselben Formulierung zitieren.

Nun erfahre die Öffentlichkeit – notabene durch die Swisscom – von der Zusammenarbeit mit der SRG, sagt UPC-Sprecher Strapp und stellt den Zusammenhang zum neuen Werbevermarkter Admeira, einem Gemeinschaftsprojekt der SRG, der Swisscom und von Ringier, her. Böse Zungen könnten die These aufstellen, dass die SRG mit dieser Kommunikationstaktik der Swisscom einen Wettbewerbsvorteil verschafft habe, sagt Strapp. UPC Cablecom sei auf jeden Fall von der SRG nicht kontaktiert worden.

Bei der SRG dementiert man einen Sinneswandel. Schliesslich handle es sich beim EM-Projekt um einen Versuch, nicht um einen Regelbetrieb, sagt Sprecher Daniel Steiner. Die SRG miete die benötigten Infrastrukturen, die Swisscom müsse diese bezahlen. Wie viel Geld fliesst, kommuniziert die SRG nicht. Die Verbreitung des UHD-Programms sei auch für andere Anbieter offen. Ein Angebot, auf dass UPC nicht eingehen will. Die eigene Netzinfrastruktur sei zwar gerüstet für UHD, aber die Nachfrage zu gering. Man werde den Trend weiter verfolgen und zu gegebener Zeit zur Verfügung stellen, sagt Sprecher Strapp.

Damit droht UPC Cablecom ins Abseits zu geraten. Im Dezember überholte die Swisscom erstmals UPC Cablecom bei der Anzahl Fernsehkunden. 1,36 Millionen TV-Kunden zählt der blaue Riese zurzeit. Allein 2015 kamen 166 000 Neukunden hinzu, während UPC 85 000 gehen lassen musste. Von der Schwäche des Kabel-Riesen profitiert auch Sunrise: Um 27 000 wuchs die Kundenbasis des privaten Mobilfunkers im TV-Bereich letztes Jahr.

Nun will Sunrise auch bei UHD nicht abseitsstehen – und lässt die UPC mit dem SRG-Bashing im Regen stehen. Sunrise stehe in Verhandlungen mit der SRG, um die Ausstrahlung der acht EM-Spiele in UHD rechtzeitig realisieren zu können, sagt Sprecher Roger Schaller. Mit der neuen TV-Box sei Sunrise gerüstet für die neue Technologie. Und selbst kleinere Anbieter geben Gas. Man prüfe die Umsetzbarkeit von UHD zumindest für die Samsung-TV-App, sagt Michael Wendt, Manager der Online-TV-Plattform Teleboy. Auf der Mobile-App sei UHD allerdings kein Thema, da die Bildschirme und die Auflösung zu klein seien.

Das Wettrüsten täuscht nicht über die Tatsache hinweg, dass UHD bis auf weiteres ein Nischenthema bleiben wird. Entscheidender dürften für längere Zeit die originären Inhalte bleiben, bei denen Swisscom mit der Pay-TV-Tochter Teleclub und deren Exklusivität auf die meisten Spiele der Schweizer Super League im Vorteil ist. Doch der Vertrag mit der Fussball-Liga läuft 2017 aus, UPC Cablecom will die Rechte für sich erkämpfen. Dass die Swisscom in Zukunft und für die relativ kurze verbleibende Zeit des Vertrags auch ausgewählte Spiele der Super League in UHD produzieren wird, ist wohl auch als Signal an die Liga im Kampf um die anstehende Rechtevergabe zu verstehen.

Dass sich mit der Swisscom und der SRG nun zwei mächtige Player gefunden haben, dürfte noch für einigen Zoff sorgen. Denn bei der letzten Ausschreibung hatte die SRG noch mit UPC gegen Swisscom paktiert – und verloren. Die Chancen auf eine zweite Kooperation sind diese Woche nicht gestiegen. Die alte Liebe, sie ist gerostet.

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