In der Lausanner Zentrale der Zeitung «Le Temps» hat der Verlag diese Woche den Kahlschlag bei der Belegschaft verkündet. Praktisch gleichzeitig kam die neue Hochglanzbeilage «T» frisch aus dem Druck. Sie liegt seit gestern der Samstagsausgabe von «Le Temps» bei. Ein Lifestyle-Magazin, das sich vornehmlich den angenehmen Themen des Lebens wie Reisen, Mode, Schönheit oder Wellness widmet.

Man wolle damit «einen Gegenpol zum hektischen Alltag der Leserinnen und Leser schaffen» und die Marke «Le Temps» ausbauen, heisst es anlässlich der Lancierung bei Ringier Axel Springer Schweiz (RASCH) diese Woche. Damit setzt der Verlag auf neuen Glanz, während aus der Redaktion in Lausanne von einem «Gemetzel» berichtet wird. Nachdem RASCH bei «Le Temps» 20 Stellen streicht, wisse man in der Romandie nicht, wie man mit der ausgedünnten Redaktion die publizistische Marke des Blatts aufrechterhalten solle, wird aus internen Kreisen berichtet.

Der Verlag investiert in ein Hochglanzheft, das Anzeigenkunden in der luxuriösen Welt von Mode, Reisen und Kulinarik ein attraktives Werbeumfeld bieten soll. Damit will er die erodierenden Anzeigenerträge im übrigen Zeitungsgeschäft, wie sie alle in der Branche kennen, verringern.

Mit dem Vorstoss am Samstag ist «Le Temps» in der Romandie nicht allein. Auch bei Tamedia setzt man ab Mitte März auf die Samstagskarte: Sowohl das Genfer Blatt «Tribune de Genève» als auch «24 heures» werden ihre Samstagsausgaben bald verstärken, sagt Tamedia-Sprecher Patrick Matthey zur «Schweiz am Sonntag». Der Fokus liege dabei auf Gesellschaftsthemen wie Gesundheit, Kultur, Tourismus, aber auch auf aktuellen Hintergründen und regionalen Themen. «Wir verzeichnen bei beiden Publikationen samstags die höchste Auflage der Woche», sagt Matthey. Der Wunsch nach zusätzlichem Lesestoff sei bei den Lesern an diesem Tag besonders gross.

Sonntagsgeschäft verliert
Ein weiterer Grund für den Schritt zum Samstag dürfte die Tatsache sein, dass «Le Matin Dimanche», die einzige Sonntagszeitung der Romandie und ebenfalls Teil des Tamedia-Portfolios, Leser verliert. Wie die Zahlen des Schweizer Medienforschungsunternehmens Wemf bis 2016 zeigen, ist die Leserschaft seit 2012 klar zurückgegangen. Den Rückgang soll nun die Samstagsausgabe auffangen.

Den baldigen Ausbau am Samstag müssen bei «24 heures» und «Tribune de Genève» zwei Redaktionen stemmen, bei denen Tamedia im Herbst kräftig den Rotstift angesetzt hatte. Nach wochenlangen Verhandlungen zwischen Verlagsmanagement und Belegschaft wurden 20 von geplanten 31 Stellen gestrichen.

Mit dem Ausbau am Samstag zieht die Westschweizer Presse nun in die Richtung nach, in die Deutschschweizer Medien teilweise bereits vorgestossen sind. Sowohl NZZ als auch Tamedia haben ihre Samstagsausgaben («NZZ» beziehungsweise «Tages-Anzeiger») hintergründiger und umfangreicher gestaltet.

Die AZ Medien Gruppe (Herausgeberin der «Schweiz am Sonntag») und Somedia werden ab dem 4. März 2017 ihre Sonntagszeitung zur «Schweiz am Wochenende» umwandeln, die samstags erscheint und den Lesern mehr Lesestoff fürs ganze Wochenende bieten wird.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper.