Soziale Medien wie Twitter oder Facebook entscheiden zunehmend über Politikerkarrieren, so auch aktuell im US-Wahlkampf. Doch mit der Unverzichtbarkeit von Social Media steigt das Missbrauchspotenzial. Schätzungen zufolge sind bereits 20 Prozent aller Twitter-Profile in den USA Maschinen, die verblüffend echte Nachrichten absetzen können und das Netz mit politischen Inhalten fluten.

Die «Bots» genannten Programme gleichen sich dem Verhalten der Menschen immer besser an und sind kaum mehr von echten Nutzern zu unterscheiden. Die Gefahr: Bots haben das Potenzial, die Demokratie zu gefährden, Panik auszulösen oder die Börse zu beeinflussen, heisst es in einer aktuellen Studie. US-Forscher sind zum Schluss gekommen, dass 39 Prozent der Twitter-Nutzer, die dem Präsidentschaftskandidaten Donald Trump folgen, unechte, sogenannte Fake-Profile sind, bei Clinton gar 41 Prozent.

Das Problem ist nicht auf die USA beschränkt: 15 bis 40 Prozent aller Twitter-Follower der Schweizer Parteien seien unecht, sagt Simon Hegelich, Professor für politische Datenwissenschaft an der Universität München. «Wir erachten das als problematisch, können aber nicht viel dagegen unternehmen», sagt SP-Medienchef Michael Sorg. Ähnlich klingt es bei der FDP: Man wisse von Fake-Profilen bei den eigenen Followern, sagt der Social-Media-Verantwortliche Arnaud Bonvin. Dagegen machen könne man wenig.

Hegelich sieht ein weiteres Problem: Fake-Profile und Roboter verfälschen Trendanalysen und verzerren Stimmungen. Das wiederum veranlasst Regierungen, falsche Schlüsse zu ziehen – und die Welt nach den Ideen von Maschinen zu formen. Er und sein Team haben etwa ein Netz von über 15 000 Bots entlarvt, das im russisch-ukrainischen Konflikt mitmischt und täglich über 60 000 Tweets mit oft rechtsextremen Inhalten absetzt.

Unter den zahlreichen Fake-Profilen leidet auch die Glaubwürdigkeit des Mediums Twitter. Das Unternehmen steckt in einer Krise.

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