Aus Altersgründen musste Viktor Baumeler (68) auf Anfang Jahr sein Amt als Präsident der Deutschschweizer Trägerschaft der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) abgeben. Als Präsident des gesamtschweizerischen SRG-Verwaltungsrates möchte Baumeler jedoch noch möglichst lange im Amt bleiben, längstens bis Ende 2017. Der Druck, dass der Luzerner Alt-Staatsschreiber seinen Platz rasch räumt, nimmt aber zu. Bereits in den nächsten Wochen soll ein frisch hinzugezogener Headhunter eine Liste möglicher Kandidaten präsentieren.

Tempo macht eine im November eingesetzte zweite Findungskommission. Präsidiert wird sie vom SRG-Vizepräsidenten und jurassischen Alt-Ständerat Jean-François Roth. Einsitz genommen haben auch die Werberin Regula Bührer-Fecker sowie die Regionalpräsidenten Andreas Schefer (Deutschschweiz) und Luigi Pedrazzini (Tessin). Explizit keinen Platz mehr darin hat Baumeler selbst. Dieser hatte nach dem abrupten Abgang von Raymond Loretan im vergangenen Sommer nicht nur interimistisch das SRG-Präsidium übernommen, sondern war auch als Mitglied einer ersten Findungskommission gleich mit der Suche nach einem Nachfolger beauftragt. Trotz einem Headhunter wollte sich bis zum Spätherbst 2015 kein passender Kandidat finden lassen, sodass Baumeler, der schon 2011 auf das Präsidium aspiriert hatte, seine Präsidialzeit bis auf Abruf fortsetzen konnte.

Die neue Findungskommission setzt auf einen neuen Headhunter sowie auf ein breiteres Profil möglicher Kandidaten. Ein Deutschschweizer Bürgerlicher mit einem starken Bekenntnis zur SRG soll es zwar weiterhin sein. Doch der Mann oder die Frau muss nicht mehr über eine politische Seilschaft verfügen. Er oder sie kann sich Autorität auch in der Wirtschaft oder im zivilgesellschaftlichen Leben erarbeitet haben.

Die Treiber für eine schnelle Ablösung von Baumeler kommen vor allem aus Kreisen der Deutschschweizer Trägerschaft. Denn stärker als ihre Kollegen aus der Romandie und aus dem Tessin sehen diese die starke Position der SRG durch die aktuelle medienpolitische Service-public-Debatte gefährdet. Sie fordern deshalb einen profilierten und debattierfreudigen SRG-Verwaltungsratspräsidenten an der Spitze, der sich öffentlichkeitswirksam für das Unternehmen einsetzt.

Dies kann Baumeler nicht bieten. Als diese Woche an der Neujahrstagung des Verlegerverbands der Verleger-Präsident Hanspeter Lebrument eine neuerliche Brandrede gegen die SRG hielt, sass Baumeler zwar als Gast in der ersten Reihe. Doch nicht nur schweigend, sondern auch weitgehend unbeachtet.

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