VON OLIVER KLAFFKE

«Die Frage, weshalb Frauen in die Wechseljahre kommen, ist gelöst», sagt Carel van Schaik, Direktor des Anthro-pologischen Instituts der Universität Zürich. Eigentlich belohnt die Evolution diejenigen, die den meisten Nachwuchs bekommen. Die Tatsache, dass Frauen mitten im Leben mit der Fortpflanzung aufhören und keine weiteren Kinder bekommen, hat Evolutionsbiologen deshalb lange Zeit Rätsel aufgegeben.

«Der Mensch ist das einzige Lebewesen, bei dem die Wechseljahre vorkommen», sagt van Schaik. Noch nicht einmal in der engeren biologischen Verwandtschaft des Menschen gibt es die Menopause – weder bei Schimpansen, Gorillas noch Orang-Utans. Egal, wie alt die Weibchen sind, sie pflanzen sich fort. «Es muss aber eine evolutions-biologische Erklärung für die Menopause geben», sagt er. «Sonst gäbe es sie ja nicht.»

Wissenschafter sind überzeugt: Während der Stammes-geschichte der Menschen hatten Frauen, die ab den mittleren Jahren auf Kinder verzichteten, trotzdem mehr Nachkommen als solche, die weiter Kinder bekommen haben. Für Frauen hat es sich in der Evolution gelohnt, auf weitere Kinder zu verzichten, um die Überlebenschancen des schon älteren Nachwuchses zu sichern. Als Mütter oder Grossmütter konnten sie sich dann besser um den Nachwuchs kümmern, der bereits auf der Welt war.

Jetzt gibt es zu dieser Hypothese auch Daten, die belegen: Die Wechseljahre bieten tatsächlich einen Vorteil in der Evolution. Sie haben sich während Zehntausenden von Jahren entwickelt, als die Menschen noch unter Stein-zeitbedingungen ständig am Existenzminimum lebten. Kleine Kinder waren zum Überleben dringend auf ihre Mutter angewiesen. «Aber mit dem Alter sterben mehr Frauen bei der Geburt», sagt Daryl Shanley von der Universität Newcastle im Gespräch mit dem «Sonntag».

Egal ob Menschen im Urwald ohne medizinische Versorgung leben oder in der Stadt in der Nähe eines Spitals: Ab dem Alter 35 steigt das Todesrisiko einer Schwangerschaft dramatisch an. Mit 40 Jahren ist es bereits siebenmal höher als noch fünf Jahre zuvor – und sogar dreissigmal höher als bei zehn Jahre jüngeren Frauen. «Eine späte Schwan-gerschaft bringt die bereits geborenen Kinder in Gefahr», sagt Shanley.

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