Ein alter Zopf der «Neuen Zürcher Zeitung» soll fallen. Wie die Aktionärsgruppe «IG Freunde der NZZ» in einem noch unveröffentlichten Newsletter schreibt, sei die Eintragungspraxis der Aktionäre seit langem reformbedürftig, weil sie «immer noch zu einseitig auf die Partei des Freisinns ausgerichtet» sei.

In den Statuten heisst es, NZZ-Aktionäre müssten entweder der FDP angehören oder sich zur freisinnig-demokratischen Grundhaltung bekennen – ohne Mitglied einer anderen Partei zu sein. Gemäss dem Vorschlag der Freunde der NZZ sollen die Vinkulierungsbestimmungen so angepasst werden, dass Aktionäre zur Eintragung qualifiziert sind, wenn sie «unabhängig von einer Parteizugehörigkeit eine liberale und unternehmerische Gesinnung bestätigen».

Die Gruppe umfasst rund 75 Aktionäre, die 15 Prozent der Stimmen kontrollieren. Zu den Sympathisanten gehört etwa der Zürcher Banker und SVP-Mann Thomas Matter.

Es war das Ziel der Freunde der NZZ, das Parteiverbot als Traktandum auf die Tagesordnung der nächsten Generalversammlung setzen zu lassen. Ein entsprechendes Begehren wurde beim NZZ-Verwaltungsrat fristgerecht platziert. Doch der scheidende Präsident der NZZ, FDP-Doyen Franz Steinegger, lehnte die Traktandierung ab.

Steinegger begründet auf Anfrage, das erforderliche Quorum für eine Traktandierung von 10 Prozent sei nicht vorhanden gewesen. Zudem hält er die von den NZZ-Freunden vorgeschlagene Formulierung («liberale und unternehmerische Gesinnung») für untauglich: «Unter dieser Voraussetzung müsste man ja auch einen Christian Levrat akzeptieren.» Steinegger betont, der Zweck des Unternehmens sei ja nichts anderes, als eine «Zeitung mit freisinnig-demokratischer Grundhaltung herauszugeben».

Die aufmüpfigen Aktionäre drohen nun unverhohlen mit der «Einberufung einer ausserordentlichen Generalversammlung». Eine weitere Option könne die Ungültigerklärung der Generalversammlung sein. Zudem kritisieren die Freunde der NZZ den Verwaltungsrat und sprechen von «Lähmung und Gerangel» im Gremium. Auch die neuen Verwaltungsräte bekommen ihr Fett ab: «Wir sind besonders enttäuscht vom Wirken beziehungsweise Nichtwirken der neueren Verwaltungsräte, welche uns Hoffnung auf Veränderungen gegeben hatten.» Hier ist insbesondere Carolina Müller-Möhl gemeint, die sich als implizite Vertreterin der Freunde der NZZ offenbar nicht durchzusetzen vermag.

Enttäuscht sind die Freunde auch über das Nominierungsverfahren der vier zur Wahl vorgeschlagenen Verwaltungsräte. Die von ihnen angeregten Kandidaten, Ex-NZZ-Wirtschaftschef und Avenir-Suisse-Direktor Gerhard Schwarz sowie der Zürcher Immobilien-Tycoon Urs Ledermann, seien trotz «gegenteiligem Versprechen von VR-Präsident Franz Steinegger nicht einmal kontaktiert worden».

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