Daniel Jositsch (SP): Wie schaffen Sie es, die eigene politische Meinung im «SonnTalk» für sich zu behalten? Juckt es Sie nicht, auch einmal Ihre Meinung zu vertreten?
Markus Gilli: Und wie es mich juckt! Bei manchen Voten zucken Blitze durch mein Hirn. Auf dem Weg bis zur Zunge habe ich aber eine eingebaute Notbremse. Ich sehe mich im «SonnTalk» nicht als einen meinungskastrierten Befrager. Ich bringe mich durch meine Fragen und die ganze Moderation ein. Bei Widersprüchen, blutleeren Fensterreden und Politfloskeln hake ich unerbittlich nach. Der «SonnTalk»-Moderator ist kein Stichwortgeber für das Abspulen des Parteiprogramms!

Christoph Mörgeli (SVP): Sind Sie sich eigentlich bewusst, dass Sie der mächtigste Journalist der Schweiz sind?
Gilli: Macht würde in meiner Rolle als Journalist und TV-Moderator bedeuten, dass ich Personen bevorzuge und die öffentliche Meinung bewusst beeinflusse. Dies liegt mir absolut fern – ich hasse Strippenzieherei und Mauschelei. Ich sehe mich als Vertreter der Zuschauerinnen und Zuschauer, die von meinen Gästen Klartext erwarten. Ich denke, dass ich mir meine Position im Journalismus durch die konsequente Zulassung und der Verteidigung der Meinungsfreiheit, Offenheit gegenüber allen Argumenten, Unbestechlichkeit, absolute Taubheit gegenüber Einflüsterung und Anstand erarbeitet habe.

Doris Fiala (FDP): Wie bringen Sie es fertig, die vielen oft kurzfristigen Themen für Ihre Auftritte kompetent vorzubereiten?
Gilli: Ich habe ein grossartiges Team mit drei Redaktorinnen und Produzentinnen, die alle Sendungen hervorragend vorbereiten, Dossiers zusammenstellen und mir die Fakten, Widersprüche und interessanten Aspekte aufzeigen. Dank meiner langjährigen Tätigkeit und meiner Begeisterung für News und das aktuelle Geschehen kann ich vieles auch von meiner Festplatte im Gehirn abrufen. Zudem ist dieser Job das beste Training für Schnelldenker.

Markus Bäumle (GLP): Welche Moderation hat Ihnen mehr Spass gemacht bzw. macht mehr Spass: die Moderation aus dem Studio Cernobbio in der Pionierzeit oder die Moderation heute bei Tele Züri?
Gilli: Ich habe nur wenig moderiert im Studio Cernobbio bei Como – ich war Redaktor und später Programmleiter von Radio 24 in Zürich. Ich bin glücklich und stolz, dass ich ein Teil dieser Pionierphase sein durfte. Radio ist ein faszinierendes Medium – schnell, direkt und doch auch etwas intimer als Fernsehen. Die Umstellung war für mich nicht einfach, ich musste mich zuerst in die Komplexität des Fernsehens einarbeiten und auch die Macht des Bildes akzeptieren. Heute moderiere ich mit Leidenschaft bei Tele Züri.

Pirmin Bischof (CVP): Frage an den Dompteur zwischen den Kantonen. Sind Zürcher, Aargauer, Berner und Solothurner Gäste wirklich anders?
Gilli: Absolut nicht! Politikerinnen und Politiker in der Schweiz scheinen alle aus demselben Holz geschnitzt zu sein. Die Kantonsfrage ist für den «Dompteur» unwichtig – die Löwinnen und Löwen knurren und schnurren im Einklang. Sachverstand, Temperament, Engagement und rhetorische Fähigkeiten richten sich nicht nach dem Kantonswappen. Vielleicht gibt es beim Humor leichte Nuancen.


Anmerkung: Tele Züri gehört wie die «Schweiz am Sonntag» zu den AZ Medien.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper