Es ist Samstag vor dem Sechseläuten: Kurz vor neun Uhr drängen sich eine Schar mehrheitlich angegrauter Zürcher ins Kongresshaus. Der Anlass war die 146. Generalversammlung der AG für die Neue Zürcher Zeitung. Die Aktionäre hatten sich mit Historischem zu befassen. Es ging um den uralten sogenannten Parteizwang. Aktionär der NZZ kann nämlich nur werden, wer Mitglied der FDP ist oder zumindest keiner anderen Partei angehört und sich zur freisinnig-demokratischen Grundhaltung bekennt, wie es in den Statuten heisst.

Aus Sicht einiger oppositioneller Aktionäre ist dies ein alter Zopf, den es abzuschneiden gilt. Tapfer trat Edwin van der Geest, der Sprecher der «Freunde der NZZ», vor die Aktionäre und meinte, dass es doch nicht sein könne, dass ausgerechnet Veit Dengler, der neue CEO der NZZ, wegen dieser Statuten gerade nicht Aktionär der NZZ werden könne, weil er als Gründungsmitglied von «Neues Österreich» (Neos) bereits ein Parteibuch besitze und folglich nicht ins Aktienregister eingetragen werden könne. Ein Geraune ging durch den Saal. Offenbar war vielen Aktionären Denglers Parteizugehörigkeit nicht bekannt.

Mehrere Aktionäre legten sich für den Erhalt der FDP-Klausel ins Zeug. Alex Rübel, der schweizweit bekannte Direktor des Zürcher Zoos, warnte mit eindringlichen Worten, dass die NZZ-Gruppe der «Berlusconisierung» zum Opfer fallen könne, falls die Statuten aufgeweicht würden. Im Blick dürfte er wohl finanzstarke SVP-Mitglieder haben, denen man seit Jahren nachsagt, dass sie der alten Tante an die Wäsche wollen.

In der Abstimmung haben sich die Traditionalisten durchgesetzt. Rund 70 Prozent oder 15 000 Aktienstimmen waren für den Erhalt der Vinkulierungsbestimmungen. Die aufmüpfigen Aktionäre kamen auf 7000 Stimmen. Von insgesamt 22 000 Stimmen waren 15 000 im Saal vertreten. Zieht man die Stimmrechtsvertreter ab, die meist mit dem Verwaltungsrat stimmen, war das Ergebnis deutlich knapper. Nichtsdestotrotz schreibt die NZZ in einer Medienmitteilung von einem «sehr deutlichen Ergebnis».

Zum Waterloo wurde die Generalversammlung für Verwaltungsrätin Carolina Müller-Möhl. Sie wurde lediglich mit 55 Prozent der Stimmen gewählt. 9000 wollten sie abwählen oder enthielten sich der Stimme. Der Werber Dominique von Matt wurde mit 99 Prozent souverän wiedergewählt. Die oppositionellen «Freunde der NZZ» machten im Vorfeld der GV klar, dass sie die Unternehmerin nicht wiederwählen werden.

Die Unzufriedenheit richtet sich nicht nur gegen Müller-Möhl. Generell führe der Verwaltungsrat viel zu wenig straff. In der Kritik steht etwa das angekündigte Engagement in Österreich, das bei Erfolg auch nach Deutschland ausgeweitet werden soll.

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