Sechs Prozent sind zu viel», sagt Robert Ruckstuhl, «das wollen wir reduzieren.» Ruckstuhl ist bei Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) Leiter des Radio-Bereichs und eine Korrektur soll es im Musikprogramm von DRS 1 und DRS 3 geben. Sechs Prozent des Angebots überschneiden sich – das Soundprofil der beiden Sender ist mithin unscharf. Das hat eine Analyse ergeben.

DRS 3 wird sich künftig auf neuere, aktuellere Musik konzentrieren, während DRS 1 «eine breitere Streuung» anstrebt. Ruckstuhl: «Musik von den 60er-Jahren bis in die Neuzeit. Wobei wir eher Titel aus den 80er- als aus den Nullerjahren spielen werden.» Der Radio-Chef ist überzeugt, «dass die meisten Menschen musikalisch in den Jugendjahren sozialisiert werden». DRS-1-Hörer sind zu einem Gutteil in den 50er-Jahren geboren, oder früher. Darauf müsse man Rücksicht nehmen, sagt Ruckstuhl.

Was zu einer Repertoire-Erweiterung führen wird. Chansons, Canzoni und auch deutscher Pop sollen vermehrt auf DRS 1 zu hören sein, während der klassische Schlager weiterhin zum Kerngeschäft der DRS Musikwelle gehört. Ruckstuhl kann sich auf dem Mehrheitensender aber eine regelmässige «spezielle Schlagersendung» vorstellen, «Schlager für Fortgeschrittene» sozusagen.

Für Ruckstuhl ist klar, dass auch das Angebot an Schweizer Musik ausgebaut werden muss. «Von Peter Reber zum Beispiel gibt es viele Lieder, die ausgezeichnet ins DRS-1-Programm passen, heute aber kaum gespielt werden.» Robert Ruckstuhl sagt dem Scheuklappen-Denken der Vergangenheit den Kampf an.

Hansruedi Schoch, SRF-Programmleiter, fasst das neue Credo so zusammen: «Der Hörer ist toleranter und mündiger, als die amerikanischen Berater behaupteten.» Damit spielt er auf die Tatsache an, dass in den letzten Jahren Heerscharen von hoch bezahlten Consultants eins vor allem andern bewirkt haben: dass die Mainstream-Radiostationen in ganz Europa über ähnliche Soundteppiche verfügen, gleichgültig, ob privat oder öffentlich-rechtlich strukturiert.

Oberster Schleusenwärter ist Michael Schuler. Der Radio-Musikchef wird das riesige Angebot an neuen Musiktiteln sichten – und dann die einzelnen Songs dem «richtigen» Sender zuteilen. Für Schoch steht fest, dass dank der zentralen Musikredaktion die Profile der einzelnen Radioketten klarer unterschieden werden können.

Nicht nur das DRS-Musikprogramm wird ab November sanft renoviert, auch die Information soll leicht ausgebaut werden. Schoch: «Wir werden die Drive-Time um eine Stunde verlängern.» Künftig soll bereits um 16 Uhr ein längerer Überblick über das Tagesgeschehen geboten werden. Heute startet die Info-Schiene auf DRS 3 um 17 Uhr und auf DRS 1 um 17.30 Uhr. Schoch hat auch festgestellt, dass der Sport auf DRS 1 zu wenig aktuell vermittelt wird. In Zukunft werden wichtige Sportresultate sofort im Tagesprogramm vermeldet.

Schliesslich sollen die immer länger werdenden Staumeldungen origineller verpackt werden. Man will diese so unsinnlichen Negativ-Nachrichten fürderhin «journalistisch gewichten», «verständlicher präsentieren» und bei der Moderation überhaupt «stärker vom Nutzer her denken als vom Verbreiter». Ruckstuhl: «Wir pilotieren zurzeit mehrere Moderatoren. Erprobte Stimmen und solche, die man noch nicht kennt.» Drei Mitarbeiter werden sich schwergewichtig um die Staumeldungen kümmern.

Als ein «tägliches Ärgernis» nimmt Programmleiter Schoch die Löcher war, die jeweils auf DAB entstehen, wenn auf UKW die Regionaljournale ausgestrahlt werden. Bis Mitte 2012 sollen die technischen Voraussetzungen dafür geschaffen sein, die Regionalisierung auf DAB+ zu testen.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!