Die Nachwuchsjournalisten haben den Konkurrenzkampf satt: «Viel zu oft arbeiten Journalisten gegeneinander statt miteinander», beklagt Konrad Weber (23), Gründer der Plattform jungejournalisten.ch. Damit möchte er möglichst viele Journalisten miteinander vernetzen. Für Weber steht fest: «Der Einstieg in den Journalismus wird zunehmend schwieriger. Chancen hat nur, wer Beziehungen hat.»

Jugendliche zu vernetzen, ist auch das grosse Ziel der ersten Schweizer Jugendmedientage, welche der Verein «Junge Medien Schweiz» an diesem Wochenende organisiert hat. «Ein solches Treffen fehlte bisher. Es ist der ideale Anlass, um Kontakte zu knüpfen und sich nicht nur online zu vernetzen», sagt der 19-jährige Elia Blülle, Sprecher der Jugendmedientage.

Damit hat sein Verein offene Türe eingerannt: 75 Jugendliche, die jüngsten von ihnen gerade mal 16 Jahre alt, besuchen während dreier Tage verschiedene Redaktionsstuben, Radio- und Fernsehstudios. In Workshops erhalten sie von Profis Tipps für das Schreiben eines Artikels, die Planung einer Radiosendung oder das Schneiden eines Videobeitrages.

Es geht vor allem auch darum, die Grossen der Branche kennen zu lernen. Diese Chance bot sich den Nachwuchsjournalisten beim Brunch mit dem renommierten Pariser Datenjournalisten Pierre Romera und bei einer Podiumsdiskussion den Chefredaktoren Hansi Voigt («20 Minuten Online»), Patrik Müller («Der Sonntag») und der Studienleiterin des Medienausbildungszentrums in Luzern, Alexandra Stark. Doch während die drei Medienprofis lang und breit über die Konvergenz diskutierten, interessieren sich die angehenden Journalisten vor allem für zwei Dinge: Wie bekomme ich einen Job und was braucht es dafür?

Für die 18-jährige Berufsmatura-Schülerin Laura Oderbolz ist klar: «Am wichtigsten ist es, sich zu vernetzen. Je mehr Journalisten man kennt, desto einfacher bekommen ich einen Job.» Auch Mira Weingart spricht von einer «mega harten Konkurrenz», gegen die man sich nur schwer durchsetzen könne. Obwohl Mira mit 16 Jahren zu den Jüngsten zählt, tritt sie erstaunlich selbstbewusst auf: «Man muss bei einem Vorstellungsgespräch auch einfach mal bluffen und sagen: ‹Ja, ich kann das!›»

Der Wille ist auch für Hansi Voigt, abtretender Chefredaktor von «20 Minuten Online», entscheidend: «Zu Beginn können Anfänger nichts. Egal, ob sie an einer Fachhochschule ausgebildet wurden oder nicht. Sie mögen Definitionen von Textsorten herunterbeten können, aber wie man sich in einer Redaktion verhält oder richtig telefoniert, lernen sie erst auf einer Redaktion – und dies nur, wenn sie den Biss dazu haben», sagte Voigt an der Podiumsdiskussion.

Die Teilnehmenden der ersten Schweizer Jugendmedientage wissen schon genau, was sie wollen: «Fotografin für das IKRK in Krisenregionen» (My Lien Nguyen, 17) oder «den Job von Daniela Lager» (Alina Dekker, 21). Und auf diese Träume arbeiten sie zielbewusst hin: «Wir sind überrascht, mit wie viel Erfahrung die meist noch sehr jungen Teilnehmer hierher kommen», sagt Elia Blülle vom Verein Junge Medien Schweiz.

Gut möglich, dass die nächste Journalistengeneration vieles umkrempelt. Sie hat auch schon ganz konkrete Vorstellungen: «Das Schweizer Fernsehen ist total überaltert. Das ist richtig peinlich. Ich würde da alles ändern», sagt die 16-jährige Mira – an Selbstvertrauen fehlt es der nächsten Generation auf jeden Fall nicht.

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