«Newsnetz wird national» verkündete Tamedia diese Woche – und gab bekannt, dass die Online-Ausgaben der drei Edipresse-Titel «24heures», «Le Matin» und «Tribune de Genève» Anfang 2012 in die Nachrichtenplattform integriert werden. Mit 3,2 Millionen Unique Clients wird Newsnetz damit zum reichweitenstärksten Online-Verbund im Land.

Was ökonomisch sinnvoll ist, wird publizistisch problematisch. Mit der Einverleibung der Westschweizer Online-Portale in die Newsnetz-Welt verbindet Tamedia auch die Absicht, die Bundeshausredaktionen aller beteiligten Online-Titel, also auch jene von «Tages-Anzeiger», «Berner Zeitung» und «Der Bund», in ein gemeinsames Newsdesk einzubinden. Misst man den Medienkonzern an seiner exzessiv gelebten Firmenkultur von Masse statt Klasse, bedeutet dies: mehr Einfalt statt Vielfalt.

Dazu kommt das Problem der Qualität. Für den «schnellsten Qualitätsjournalismus im Netz» rühmt sich Newsnetz. Was diese Ansage für die Print-Ausgaben der Newsnetz-Zeitungen bedeutet, hat Medienjournalist Nick Lüthi sehr treffend so beschrieben: «Der schnellere, lautere, knalligere und bisweilen auch flüchtigere Online-Journalismus wird zum Nennwert dessen, was das Publikum als Journalismus versteht.» Auf Social-Media-Plattformen wie Facebook ist die Duden-befreite Newsnetz-Redaktion längst legendär.

Dass es auch anders geht, beweist – Tamedia. Das Online-Portal von «20 Minuten» scheint nicht nur über Korrektoren zu verfügen, sondern berichtet auch weitaus kompetenter und zuverlässiger über Bundespolitik und Wirtschaftsthemen, bietet oftmals Hintergründe und Analysen, die bei Newsnetz schmerzlich fehlen. Die verkehrte Online-Welt der Tamedia: Die Qualitätstitel des Hauses verbreiten flüchtigen Klickklick-Journalismus, das Gratisblatt punktet mit journalistischer Qualität. «Newsnetz wird besser» – das wäre publizistisch die wichtigere Tamedia-Ankündigung gewesen.

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