Kaum je in der jüngeren TV-Geschichte hat eine Sendung mehr Wirbel verursacht als die «Rundschau» Ende März. Das Polit-Magazin deckte die fragwürdige Vergabe von Doktortiteln am Medizinhistorischen Institut der Universität Zürich auf. Der dabei in die Kritik geratene Professor und SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli warf den TV-Machern «66 sachliche Fehlaussagen» vor, gar von einer «Rufmordkampagne» war die Rede. Mörgeli gelangte mit insgesamt drei Beanstandungen gegen «Rundschau» und «10 vor 10» an die Ombudsstelle der SRG.

Jetzt liegen die Schlussberichte dazu vor, in denen Ombudsmann Achille Casanova Mörgelis Vorwürfe mehrheitlich zurückweist. «Die SRG-Ombudsstelle hat die Beanstandungen gegen den ‹Rundschau›-Beitrag und die ‹10 vor 10›-Sendung vom 28. März abgelehnt», bestätigt SRF-Sprecher Stefan Wyss entsprechende Recherchen. Gemäss Informationen der «Schweiz am Sonntag» kritisiert Casanova in seiner Beurteilung der «Rundschau»-Sendung vom 28. März zwar, die Kritik an Mörgeli sei einseitig ausgefallen, weil die Rolle des früheren Institutsleiters bei der Doktortitelvergabe zu wenig beleuchtet wurde. Da Mörgeli auf dem «heissen Stuhl» ausführlich zur Kritik Stellung nehmen konnte, sei das Sachgerechtigkeitsgebot insgesamt jedoch nicht verletzt worden.

Teilweise gut heisst der Ombudsmann Mörgelis Kritik am «Rundschau»-Bericht vom 3. April, der die Vergabe von Doktortiteln grundsätzlich beleuchten sollte. «In diesem Beitrag ging es um die Frage, wie viel es braucht, um sich Dr. med. nennen zu können. Der Ombudsmann beanstandet, dass sich das Publikum über diese Frage ungenügend eine eigene Meinung bilden konnte. Diese Kritik nehmen wir ernst und werden sie intern analysieren», bestätigt «Rundschau»-Leiter Mario Poletti.

Insgesamt zeigt sich Poletti zufrieden: «Der Ombudsmann erachtet die anonyme Befragung von Doktoranden als unerlässlich, um die kritischen Ergebnisse der Recherchen durch Direktbetroffene zu bestätigen. Weiter wurden laut Ombudsmann die fragwürdigen Dissertationen im Bericht vom 28. März sachlich, wahrheitsgetreu und verständlich genug dargestellt.» Mörgeli, der für eine Stellungnahme nicht erreichbar war, kann die Fälle an die UBI weiterziehen.

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