Das Digitalradio DAB+ kämpft gegen eine mächtige Konkurrenz. Über das Internet können unbegrenzt viele Radioprogramme empfangen werden, ohne Rücksicht auf Grenzen der terrestrischen Sendernetze. Über DAB+ hingegen sind zurzeit erst 34 Programme der SRG und von privaten Stationen in der ganzen Deutschschweiz zu empfangen. Das soll sich ändern. Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) könnte bald die Konzession für den Aufbau eines weiteren sprachregionalen DAB+-Netzes vergeben. Auf einem solchen haben bis 18 Radioprogramme Platz.

Wie viele Interessenten sich für diesen sogenannten dritten sprachregionalen Layer beworben haben, gibt das Bakom nicht bekannt. Auch der weitere Zeitplan wird unter Verschluss gehalten. Es sei «denkbar», dass dieses Jahr weitere DAB+-Konzessionen erteilt werden, sagt ein Sprecher. Interesse angemeldet hat die Swiss Media Cast AG (SMC). Der Netzbetreiber gehört verschiedenen Privatradios, Verlagen, der SRG und Telekom-Unternehmen. Die SMC habe im letzten Herbst ein Konzessionsgeruch eingereicht, bestätigt Geschäftsführer Rolf Schurter. Nach einem positiven Entscheid dürfte es neun bis 12 Monate dauern, bis die ersten Sender aufgeschaltet würden. Welche Programme über das neue Netz verbreitet werden sollen, sei noch offen. Unter den Interessenten seien solche, welche bereits heute auf den regional beschränkten Sendernetzen zu finden sind, aber auch Programme, welche noch nicht auf DAB+ aufgeschaltet seien. Interesse hat etwa der Schlagersender FM1 Melody bekundet.

Junge bevorzugen das Internet
Nach dem Willen der Branche soll DAB+ bis 2024 die UKW-Technologie ablösen. Bereits in drei Jahren soll mit der Abschaltung der ersten UKW-Sender begonnen werden. Das digitale Radio hat schnell Anhänger gefunden. Im Frühling 2016 fand bereits 27 Prozent der Radionutzung in der Schweiz über DAB+ statt, UKW war erstmals für weniger als die Hälfte des Radiokonsums verantwortlich. Fast gleichauf mit DAB+ lag allerdings der Radiokonsum über das Internet. Vor allem junge Radiohörer ziehen das Internet vor. Bei den 15-34-Jährigen betrug sein Marktanteil 40 Prozent, DAB+ kam nur auf 22 Prozent. Nur bei den über 55-Jährigen war DAB+ klar beliebter als das Internet, wie die Studie der Arbeitsgruppe Digimig zeigt. UKW ist immer noch der beliebteste Empfangsweg, die Nutzung sinkt aber schnell. Ob sich DAB+ oder das Internet durchsetzen werden, gilt in der Branche als Glaubensfrage. Während einige von einem Nebeneinander ausgehen und die Vorzüge von DAB+ preisen – die Übertragungskosten, die mit zunehmender Hörerzahl nicht steigen, die Unabhängigkeit vom mobilen Internet und Flatrate-Abos und die Einfachheit der Bedienung – gehen andere davon aus, dass das Internet spätestens dominieren wird, wenn Autohersteller grossflächig SIM-Karten in ihre Bordunterhaltung einbauen.

Mit der Programmoffensive legt DAB+ zu. Insgesamt können zurzeit 117 Radioprogramme in der Schweiz über DAB+ gehört werden. Die meisten davon werden in regionalen und lokalen Netzen verbreitet. Diese werden neben der SMC von der SRG, der Romandie Médias SA und der Digris betrieben. Letztere betreibt in verschiedenen Städten und Agglomerationen DAB+-Netze vorab für nicht-kommerzielle Programm – und setzt nun auch auf ausländische Stationen. Die Westschweizer Telekom-Firma Leman Telecommunication (LT) will über die Digris-Netze «Radio Italia» verbreiten, wie LT-Chef Stefano Bosmani sagt. Erst soll es den Sender im Tessin geben, danach in den Regionen Genf, Bern und Zürich. Schon Mitte 2017 soll es soweit sein. Die Nachfrage nach italienischer Musik sei in der Schweiz sehr hoch, sagt Bosmani. Bis 2018 soll Radio Italia im ganzen Land verbreitet werden.

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