Der Verlegerverband zerfällt, übrig bleibt ein «Scherbenhaufen», wie mehrere Mitglieder mit Bedauern festhalten. Nachdem die geplante Werbeallianz von Ringier, SRG und Swisscom im Sommer zu einem Eklat und damit zum Austritt von Ringier aus dem Verband geführt hatte, kündigte diese Woche auch Springer an, den Verband zu verlassen. Noch höhere Wellen warf allerdings die auch diese Woche angekündigte Kündigung von Verbandsdirektorin Verena Vonarburg, die sich als «Head of Public Affairs» Richtung Ringier verabschiedet.

Mit Vonarburgs Abgang nach nur 20 Monaten als Direktorin des Verbands gelingt Ringier-CEO Marc Walder ein Coup, der in dieser mit allen Mitteln geführten Auseinandersetzung zwischen den beiden grössten Schweizer Verlagen zu einem vorläufigen Unentschieden führt: Tamedia-Verwaltungsratspräsident Pietro Supino hatte zuvor Ringier-Manager Thomas Passen abgeworben, der beim geplanten Werbevermarkter als Nummer zwei vorgesehen war.

Recherchen zeigen, dass der überraschenden Kündigung von Vonarburg – je nach Blickwinkel – das allzu forsche Vorgehen Supinos oder sein Vertrauensverlust in die moderierende Rolle der Direktorin vorausgegangen ist. Während sich Verbandspräsident und «Südostschweiz»-Verleger Hanspeter Lebrument in den Flitterwochen befand, verlagerte sich die Verbandsarbeit an den Tamedia-Hauptsitz an der Zürcher Werdstrasse. Supino, der das Departement Recht im Verlegerverband leitet, liess Stellungnahmen zur Werbe-Allianz an die Wettbewerbskommission und das Departement von Medienministerin Doris Leuthard an der Geschäftsstelle des Verbands vorbei von den eigenen Juristen abfassen. Die Verbandsdirektorin durfte mehr oder weniger nur noch das Briefpapier beisteuern.

Vonarburg, aus den Entscheidungsprozessen ausgeschlossen, beschränkte sich nicht auf eine stille Demission. Vielmehr kritisiert sie diese Woche in einem offenen Schreiben die harte Haltung des Verlegervebands gegen die Werbe-Allianz und schlägt sich mit dem Stellenwechsel demonstrativ auf die Seite Ringiers. Damit hat sich Vonarburg, die zuvor als Journalistin und als PR-Beraterin gearbeitet hatte, spektakulär als neue Ringier-Lobbyistin eingeführt, gleichzeitig aber Brücken für ihre weitere Karriere abgebrochen.

Nach der Rückkehr aus dem Honeymoon hat Lebrument nicht nur die Verbandsdirektorin verloren, sondern auch ein Finanzproblem. Ringier müsste dem Verlegerverband gemäss Statuten auch noch für 2016 einen sechsstelligen Mitgliederbeitrag überweisen, was das per sofort ausgetretene Verlagshaus bestreitet. Der Fall beschäftigt die Juristen.

Eigentlich hatte sich Hanspeter Lebrument die Entwicklung des Verlegerverbands ganz anders vorgestellt. Nächstes Jahr wollte er als Verbandspräsident zurücktreten. Ringier-Chef Marc Walder signalisierte Interesse am Job, was Lebruments Ideen im Grundsatz entsprochen hätte: Wie auf europäischer Ebene zum Beispiel in Skandinavien und England bereits erfolgt, spielte er mit dem Gedanken, dass sich auch in der Schweiz die Verleger zurückziehen und die operativ verantwortlichen CEOs den Verband übernehmen sollen. Damit wären alte Rivalitäten, die im digitalen Zeitalter der Weiterentwicklung des Verbands nur im Weg stehen, abgeschwächt worden.

Diese Pläne für eine geordnete Strukturveränderung sind gescheitert. Vielmehr drängt sich mangels alternativen Kandidaten Supino als nächster Präsident auf. Ihm werden entsprechende Ambitionen nachgesagt. Damit könnte sich der Zerfall des Verlegerverbands jedoch weiter beschleunigen. Fast noch mehr als die Werbe-Allianz von Ringier, SRG sowie Swisscom fürchten die mittelgrossen Verlage im Verband eine allzu mächtige Tamedia. Uneingeschränkten Support geniesst Supino nur von Verbandsmitglied Markus Somm, der die «Basler Zeitung» vertritt.

Hinter den Kulissen werden – vorangetrieben von Ringier – deshalb bereits Gespräche über einen neuen Verband als Konkurrenz zum bisherigen Verlegerverband geführt. Mitglieder wären neben den traditionellen Verlagshäusern möglicherweise die SRG und die Swisscom. Und geht es nach dem Willen von Ringier-Chef Marc Walder, wären dem Vernehmen nach die Türen auch für Google und Co. weit offen. Fortsetzung folgt.

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