DiCaprio in «Inception». Privat hofft der Star auf den Weltfrieden und eine Familie. Doch das sind noch Träume.
VON MARLÈNE VON ARX AUS LOS ANGELES

Wovon haben Sie letzte Nacht geträumt?
Leonardo DiCaprio: Keine Ahnung, ich erinnere mich kaum je an meine Träume – höchstens an Fragmente, und die sind auf irgendeine Weise Angst einflössend, sodass ich sie lieber gleich wieder vergesse. Ich weiss also nicht, was ich emotional nicht verarbeitet habe.

In «Inception» können Sie Träume und das Unterbewusste anderer infiltrieren. In wessen Unterbewusstsein würden Sie gerne Einblick haben?
(lacht) Etwas Persönlichkeitsverletzenderes fällt Ihnen nicht ein? Ich würde das nur bei den mächtigsten Politikern tun, um ihre wahren Absichten zu verstehen. Oder beim CEO von BP, damit
er der Golfküste zurückgibt, was die mit diesem furchtbaren, verantwortungslosen Desaster alles kaputtgemacht haben.

Sie sind ja als Unweltschützer bekannt. Sind Sie im Golf aktiv?
Ich habe mit der NRDC (National Resources Defense Council) schon Gespräche geführt, in welcher Form ich wirksam sein könnte. Aber niemand weiss eigentlich genau, wie es nun weitergehen soll. Der Schaden ist so enorm. Es ist wirklich deprimierend.

An der Kinokasse läuft derzeit auch nicht alles rosig. Glauben Sie, dass die Zeit des Star-Kinos vorbei ist?
Ich glaube nicht, dass die Flaute an den Stars liegt. Das hat mehr mit der Wirtschaft zu tun. Hollywood macht deshalb die grossen Event-Kisten. Sie können Risiken den Aktionären gegenüber nicht verantworten. Ein Film wie «Aviator» würde heute kaum mehr gemacht. Niemand mehr gibt 90 Millionen Dollar für einen Film aus, der in den Dreissigerjahren spielt und von einem von alten Flugzeugen besessenen Mann handelt.

«Inception» ist wegen der verschiedenen Traumebenen schwer verständlich und daher sicherlich ein Risiko. Wie wählen Sie Ihre Filme aus?
Freunde wollen, dass ich eine Komödie mache, aber ich kann mich nicht zu etwas überreden, was mich nicht wirklich interessiert. Der grösste Fehler für einen Schauspieler ist es, neue Genres zu probieren, nur damit man sie probiert hat. Ich suche die emotionale Verbindung zur Rolle, prüfe, ob ich ihr etwas bieten kann und ob der Regisseur sein Konzept auch durchzusetzen vermag. Der Regisseur spielt für mich daher noch die grössere Rolle als das Drehbuch.

Wie haben Sie «Inception»-Regisseur Christopher Nolan erlebt?
Er ist ein sehr selbstbewusster Regisseur und ein einmaliger Visionär. Was als Film funktioniert, war als Drehbuch schwierig zu entschlüsseln. Wir haben lange darüber diskutiert, was in seinem Kopf vorgeht. Ich stellte von Anfang an klar, dass ich mit Science-Fiction nichts anfangen kann, weil ich den Zugang zur Gefühlswelt einer Figur nicht finde, die sich in einer komplett fabrizierten Welt bewegt. Chris geht es genauso, und deshalb fliegen in «Inception» auch keine riesigen rosaroten Schmetterlinge herum. Die Traumwelt ist sehr real.

Sie haben ja Ihren Lebenstraum verwirklicht. Was fehlt Ihnen noch?
Wie jeder Schönheitskönigin fehlt auch mir noch der Weltfrieden (schmunzelt)! Das mit der Umwelt und dass der Mensch hoffentlich lernt, mit der Natur zu koexistieren, wollen Sie vermutlich nicht mehr hören. Beruflich habe ich als Film-Fan im Lotto gewonnen. Was will ich noch mehr? Ausser einer Familie. Aber auch die wird kommen.

Das sagen Sie ja schon eine Weile, trotzdem hat Sie bisher noch keine Ihrer Model-Freundinnen so weit gebracht. Zweifeln Sie an deren aufrichtigen Absichten?
Darüber habe ich, als ich als Teenager berühmt wurde, viel nachgedacht. Aber dann hat mich mal jemand darauf hingewiesen, dass Berühmtsein nun halt auch ein Teil von mir ist und bleiben wird. Ich vertraue auf meine Antennen, nutze meinen Menschenverstand und betreibe etwas Nachforschung. So ist es einfach abzuschätzen, warum jemand mit einem zusammen ist.

Man sah Sie an der Fussball-WM in Südafrika. Ihre Mutter ist Deutsche, Ihr Vater Italiener. Wem drückten Sie die Daumen?
Beiden, aber in erster Linie den Amerikanern. Ich bin in Amerika geboren und aufgewachsen – und ausserdem sind sie die Underdogs.

Es heisst, Sie werden demnächst mit dem Schweizer Regisseur Marc Forster einen Robert-Ludlum-Thriller drehen. Ist da was dran?
Das wäre sicher spannend, denn Marc Forster ist ein interessanter Regisseur, aber dazu gibts noch gar nichts Konkretes. Momentan habe ich nirgends etwas unterschrieben. Vermutlich wird mein nächster Film aber jener mit Clint Eastwood über J. Edgar Hoover sein.

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