«Der Papst ist ein Mann, der lacht, der weint und Freunde hat», sagte Papst Franziskus diese Woche in einem Interview. Ihn als Helden zu verehren sei geradezu beleidigend, meint er. «Ich bin wie jeder andere auch», lautete seine Botschaft – nur gehört wurde sie offensichtlich nicht. Für seine Anhänger ist Papst Franziskus nicht gewöhnlich. Er ist ein Held, ein Superstar, ein Poster Boy.

An den italienischen Kiosken liegt seit dieser Woche eine neue Zeitschrift auf. «Il mio Papa» (Mein Papst), soll mit grossen Bildern die kirchliche Botschaft unters Volk bringen. Bunt und ansprechend will die Zeitschrift sein, die pünktlich zum einjährigen Jubiläum der Papstwahl erscheint. Es ist eine Art «Bravo» mit Franziskus als einzigem Star. Den Einzug des Heiligen Vaters in die Regenbogenpresse untermauert ein doppelseitiges Papst-Poster, das jeder Ausgabe beiliegen wird.

Drei Millionen Exemplare werden für die ersten fünf Auflagen gedruckt. Für gerade einmal 50 Cent verkauft der Verlag des Ex-Premiers Silvio Berlusconi das Wochenblättchen. Chefredaktor Aldo Vitali knüpft hohe Erwartungen an die Publikation. «Ich bin nachts mit den Hunden rausgegangen und habe mich gefragt: Wer ist die Person, die alle verbindet? Wer ist der Mensch, den alle mögen?», erzählt Vitali gegenüber «Spiegel Online». Die Antwort war schnell klar: der Papst. «Deshalb glauben wir, dass viele Menschen die Zeitschrift kaufen werden.»

Während Franziskus’ Vorgänger Papst Benedikt mit Fäkalwitzen in Satire-Magazinen zu kämpfen hatte, erscheint der aktuelle Pontifex regelmässig auf den Covers der grössten Zeitschriften der Welt. Für das «Time Magazine» war er der Mann des Jahres, für das «Rolling Stone» lächelte er verschmitzt vom Cover und für seine Anhänger gilt er schon jetzt als heisser Anwärter auf den Friedensnobelpreis.

Der Hype um den Papst scheint grenzenlos. Kürzlich wollte ihm bei einer Audienz ein Gläubiger eine Oscar-Statue überreichen, mit der Aufschrift «Papst Oscar». «In jeder Idealisierung steckt auch eine Aggression», zitiert der Papst Sigmund Freud.

Doch von solchen Aussagen lassen sich seine Fans nicht abschrecken. Chefredaktor Vitali will den Kult vielmehr weiterspinnen: Sein Traum ist ein Interview mit Franziskus gemeinsam mit einem Leser. Und er hat weitere Neuerungen im Sinn: «Wenn die Verkäufe gut laufen, können wir uns vorstellen, ‹Il mio Papa›, weltweit zu vertreiben» – auch ohne den päpstlichen Segen.

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