Schluss mit ‹5 gegen 5› titelte der «SonntagsBlick» vor einer Woche. Und: «TV will Quotenknüller aus dem Programm kippen.» Von Sven Epineys «erfolgreicher Vorabend-Sendung» war die Rede, von einem Marktanteil von «rund 25 Prozent». Der Moderator wurde zum «TV-Liebling» erhoben.

Tatsache ist, dass sich der «Quotenknüller» auf kontinuierlicher Talfahrt befindet. Erreichte die Spielshow 2006 noch 30 Prozent Marktanteil, lag dieser im vergangenen Jahr bei gerade noch 23,5 Prozent (und nicht bei 25, wie vom «SonntagsBlick» angegeben). Bemerkenswert auch, dass im Artikel die Firma Grundy zwar als Produktionsgesellschaft genannt wurde, nicht aber, dass der Ringier-Verlag, der auch den «SonntagsBlick» herausgibt, zu 35 Prozent an Grundy beteiligt ist. Dabei hatte sich Ringier-CEO Christian Unger doch in einem Interview mit der «Bilanz» so zitieren lassen: «Bei Ringier gilt, wie bei andern Medienhäusern auch, dass eigene Beteiligungen im Artikel transparent gemacht werden.»

Was Wunder, dass bei Branchenkennern die Vermutung aufgekommen ist, Grundy-Verantwortliche hätten nach einer vertraulichen Sitzung mit dem Schweizer Fernsehen umgehend den «SonntagsBlick» darüber informiert, dass die Zukunft von «5 gegen 5» in der Schwebe sei. Worauf sich der Sonntagstitel flugs für das Produkt stark machte. Dass es im Internet nicht einen einzigen Kommentar zur möglichen Absetzung von «5 gegen 5» gegeben hat, bestätigt, was auch die Quoten aussagen: Das Interesse an der Sendung ist eher gering.

Ringer-Sprecher Edi Estermann räumt gegenüber dem «Sonntag» zwar ein, dass die Ringier-Beteiligung an Grundy im «SonntagsBlick»-Artikel über «5 gegen 5» hätte erwähnt werden müssen. Er stellt aber in Abrede, dass Grundy das Blatt mit vertraulichen Tipps alimentiert habe: «Die Information gelangte über mehrere Quellen zur Redaktion.» Von «Konzern-Journalismus» will Estermann erwartungsgemäss nichts wissen: «Davon kann keine Rede sein. Deshalb weisen wir diesen Vorwurf vehement von uns.»

Ein anderes Beispiel für das enge Verhältnis, das Ringier-Konzerngeschwister untereinander pflegen, ist in der «Bilanz» Nr. 3/12 nachzulesen. «Blick», heisst es da, habe in den letzten drei Monaten 25 Mal über das «Schlagerduo» Florian Ast und Francine Jordi berichtet. Gleichzeitig trete «Blick» als deren Konzertsponsor auf und die Ringier-Tochter Ticketcorner verkaufe die Konzerttickets. Hinzuzufügen wäre, dass die Ringier-Postillen «Glückspost» und «Schweizer Illustrierte» im gleichen Zeitraum ebenfalls auffällig häufig und wohlwollend über das «Schlagerduo» schrieben.

Gegenüber dem Wirtschaftsmagazin spielte Ringier-CEO Unger den Interessenskonflikt herunter: Innerhalb der Wertschöpfungskette arbeiteten die Einzelfirmen «dezentral und unabhängig». Und: «Die Redaktionen entscheiden autonom, welche Themen sie wie oft aufnehmen.»

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!