Der Verband Schweizerischer Kantonalbanken (VSKB) verwechselt die Online-Enzyklopädie Wikipedia mit einer Werbeplattform. Im Auftrag seiner Mitglieder verfassten zwei PR-Mitarbeiter ab Januar 2009 beschönigende Einträge über die Banken.

Zur Glarner Kantonalbank etwa heisst es, diese trage «zu einer ausgewogenen und nachhaltigen Entwicklung der glarnerischen Wirtschaft bei». Kein Wort dazu, dass der Kanton die Bank vor drei Jahren wegen fauler Kredite retten musste. Auch kein Wort zu den Klagen gegen die Verantwortlichen.

Dieser vom «Swiss Equity Magazin» kürzlich aufgedeckte Fall ist kein Einzelfall. Viele der rund 150 Einträge könnten einem Werbetext entsprungen sein. Die Basler Kantonalbank wird als «faire Bank» mit «zuverlässigen Bankdienstleistungen» gelobt, die Aargauer Kantonalbank für den «Mehrwert sowohl in ökologischer, sozialer als auch ökonomischer Hinsicht». Zur Berner Kantonalbank schrieb der Verband, diese sei «aufgrund ihrer über 150-jährigen Tradition und ihrer Verflechtung in der Region eine bedeutende Bank für das Espace Mittelland». Verschwiegen wird dagegen der Beinahe-Bankrott in den Neunzigern.

Mit solchen Einträgen verletzte der VSKB die Regeln von Wikipedia gleich doppelt. Erstens heisst es auf deren Autorenseite, dass «lediglich auf Aussenwirkung bedachte Selbstdarstellung von Unternehmen (...) ausdrücklich unerwünscht» ist. Zweitens legte der Verband den Interessenkonflikt nicht offen, obwohl das Wikipedia verlangt. Eine Mitarbeiterin ging sogar verdeckt ans Werk, unter dem Pseudonym «Helveka».

VSKB-Sprecherin Doris Fellenstein stellt sich auf den Standpunkt, das Weglassen einer Information sei nicht unwahrhaftig. Sie räumt aber ein, der Verband habe unter anderem die Geschäftsberichte der Banken als Informationsquelle verwendet. «In diesen sind naturgemäss auch PR-Elemente enthalten. In unserer Wahrnehmung stellt dies jedoch keine Besonderheit dar.»

In einem Punkt lenkte der Verband nach den Recherchen des «Sonntags» ein: Er verfasst seine Wikipedia-Einträge nun nicht mehr anonym, sondern immer unter dem Kürzel «VSKB».

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