Ein Schweizer erobert die europäische TV-Landschaft. Alexander Mazzara, Chef und Gründer des Jugendsenders Joiz, will ein weiteres Studio im Ausland eröffnen. Ganz oben auf der Liste steht offenbar England. «Grossbritannien hat höchste Priorität für uns», sagte Mazzara kürzlich gegenüber englischen Branchenmedien. Gespräche mit potenziellen Partnern haben bereits stattgefunden.

«Die Nachfrage nach einem interaktiven Programm wie unserem ist zweifellos hoch», sagt Mazzara über den britischen TV-Markt. Zudem sei das Businessmodell einfach auf verschiedene Länder zu übertragen. Deshalb ist er zuversichtlich, dass Joiz bald expandieren kann: «Die Chancen, weiter zu wachsen, sind gross.»

Auf Anfrage bestätigt Torben Glander, Sprecher von Joiz Deutschland, die Pläne. «Es trifft zu, dass wir ein Auge auf die grossen TV-Märkte geworfen haben», sagt er. «Wir diskutieren intern mehrere Optionen.» Dabei startete Joiz sein multimediales Programm erst vor einem Jahr in Deutschland. Es ist bisher der einzige Ableger im Ausland. Damals bewarben sich für die 50 neuen Stellen in Berlin 4000 Personen.

Wie viele Zuschauer die einzelnen Sendungen anschauen, ist nicht bekannt. Noch fehlen offizielle Quoten. Gemäss Joiz erreichte der Sender seit April mehr als 3,1 Millionen Zuschauer. Besonders die Fussball-Weltmeisterschaft war in den sozialen Netzwerken ein Erfolg. Posts der Moderatoren auf Facebook lasen bis zu 9 Millionen Menschen. Der Sender will die zunehmende Bekanntheit nutzen und startet im Herbst mit zwei neuen Formaten.

Doch nicht nur der Sender Joiz soll weiter wachsen. Mazzara sieht grosses Potenzial in anderen Bereichen des TVs. «Die Interaktivität ist unser Kernstück», sagt er. Sie könne auch in Nachrichtensendungen, im Sport oder im Kinderprogramm sehr gut funktionieren. «Die Möglichkeiten sind grenzenlos.»

Das liegt auch an den Produktionskosten. Fernsehmachen sei heute viel günstiger als noch vor fünf Jahren, sagte Mazzara kurz vor Sendestart in Deutschland. «Die Produktion in Berlin ist nicht teurer als in Zürich, aber der Markt ist zwanzig Mal grösser.» Noch grösser ist der Markt in den Vereinigten Staaten – auch daran zeigt Mazzara bereits reges Interesse.


«Social TV» Joiz
Im März 2011 startete Joiz in der Schweiz den Sendebetrieb. Der TV-Sender für die «Generation online» will das Fernsehen mit dem Internet verschmelzen und bietet verschiedene Interaktionsmöglichkeiten. Der Fokus liegt auf Musik und Popkultur. Der Name setzt sich aus «joy» (Freude) und «choice» (Wahl) zusammen.

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