Hinter Übernahme des Internet-Portals «jobs.ch» durch Ringier und Tamedia steckt ein komplizierter Deal. Es wurde vereinbart, dass Tamedia über eine Call-, also eine Kontroll-Option verfügt. Diese erlaubt ihr als börsenkotierte Firma eine Konsolidierung gemäss der internationalen Rechnungslegung IFRS, wie Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer auf Anfrage bestätigt.

Sollte Tamedia diese Option tatsächlich ausüben, könnte Ringier (erst) zwei Jahre später über einen Reverse-Call die Beteiligung von Tamedia zurückkaufen. Theoretisch sitzt Tamedia im Konfliktfall also am längeren Hebel, vorausgesetzt, der festgelegte Preis für die Call-Option ist nicht viel zu hoch.

Beide Verlagshäuser legen Wert darauf, dass es sich um eine paritätische Partnerschaft handelt. Deshalb wurde auch kein Stichentscheid für das alle zwei Jahre wechselnde Präsidium des Verwaltungsrates vereinbart. «Jobs.ch soll seine Erfolgsgeschichte fortschreiben können», sagt Zimmer, «das ist das gemeinsame Ziel.» Das Verhältnis beider Häuser bezeichnet er als «professionell und freundschaftlich». Edi Estermann nennt Tamedia den «idealen Partner».

Dem Vernehmen nach hat beim Deal CS-Präsident Urs Rohner eine wichtige Rolle gespielt, da die CS im Auftrag des amerikanischen Hedge Funds Tiger Global Management einen Käufer für «jobs.ch» gesucht hatte. Im Rennen waren zunächst die deutsche Telecom über ihre Tochter Scout und die beiden grossen Verlage Ringier und Tamedia.

Als klar wurde, dass der angepeilte Verkaufspreis die eigenen Möglichkeiten überstieg, suchte vor allem Ringier nach einem Partner. «Marc Walder wollte den Deal unbedingt», sagt ein Vertrauter. Der deutsche Springer-Verlag aber winkte ab, und bei der NZZ konnte CEO Polo Stäheli den Verwaltungsrat nicht davon überzeugen, 180 Millionen Franken auf die Karte «jobs.ch» zu setzen.

Rohner machte Lee Fixel, dem Managing Director von Tiger, vor drei Wochen klar, dass ein Schweizer Verlag allein als Käufer nicht infrage komme. Darauf trafen sich Michael Ringier und Tamedia-Verleger Pietro Supino zum Gespräch, und nur eine Woche später flogen der künftige Tamedia-CEO Christoph Tonini und Ringier-CEO Marc Walder nach New York. In lediglich zwei Wochen stand der Deal.

Dass ausgerechnet Ringier und Tamedia für den Kauf von «jobs.ch» jeweils knapp 200 Millionen Franken aufwerfen müssen, entbehrt nicht einer gewissen Tragik. Um das eigene Anzeigengeschäft nicht zu kannibalisieren, hatten die Zeitungsverleger nach dem Platzen der Dotcom-Blase den Aufbau von Online-Stellenbörsen Branchenfremden überlassen.

Statt 2007 selber zuzugreifen, liessen sie es zu, dass die beiden Schweizer Unternehmensgründer Thomas Sterchi und Matthias Zimmermann «jobs.ch» an einen amerikanischen Hedge Fund verkauften. Und nur fünf Jahre später zahlen sie mit 390 Millionen mehr als das Doppelte für einen Umsatz von rund 46 Millionen und einem Gewinn auf Stufe Ebit von 20 Millionen Franken. Ein wahrlich stolzer Preis.

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