Fachmedien gelten nicht gerade als Hort des investigativen Journalismus. Ob es um Reisen, Autos, Gastronomie oder was auch immer geht: Specialinterest-Magazine und Portale stehen im Ruf, gemeinhin vor allem eine Plattform für die Branchenunternehmen zu sein.

Da macht die boomende IT-Branche keine Ausnahme. Ein Beobachter der Szene sagt es diplomatisch: «IT-Journalismus ist grundsätzlich eher anbieternah.» Will heissen: Verlautbarungen werden gerne und ohne kritisches Nachfragen abgedruckt. Was von der Industrie mit dem einen oder andern Inserateauftrag belohnt wird.

Die beiden Portale inside-it.ch und inside-channels.ch haben sich den Ruf erworben, einigermassen unabhängig über die Branche zu berichten. Das Redaktionsstatut bekennt sich ausdrücklich zur «Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten», die vom Schweizer Presserat erarbeitet wurde. Das Statut hält explizit fest: «JournalistInnen, die für inside-it.ch und inside-channels.ch arbeiten, trennen strikte zwischen der beruflichen Tätigkeit als JournalistIn und den Interessen von Werbekunden.»

Diese Prinzipien scheinen sich zu lohnen. Die Besucherzahl allein bei inside-it.ch beträgt pro Monat rund 40000. Christoph Hugenschmidt, Mitbegründer, Mitbesitzer und Redaktor, sagt, damit weise das Portal eine der höchsten Klickzahlen unter den vergleichbaren Plattformen auf. Die fünf Angestellten in Verlag und Redaktion erreichen pro Jahr einen Umsatz, der rund eine Million Franken beträgt. Der einstige Buchhändler Hugenschmidt wurde vor zwei Jahren vom Medienmagazin «Klartext» als «einer der besten Kenner der schweizerischen IT-Branche» bezeichnet. Er geniesse in der Branche den Respekt, «der einem unabhängigen Chronisten gebührt».

Allerdings nicht bei allen. In einem E-Mail vom 11. Oktober, das dem «Sonntag» vorliegt, schreibt PR-Manager Andreas Gurtner vom Druckerhersteller Canon, «dass ich aus PR-Sicht mit der Berichterstattung über unser Unternehmen auf inside-channels und inside-it nicht besonders zufrieden bin». Oftmals würden Sachverhalte falsch wiedergegeben. So sei beim Zusammenrücken von Canon und Océ von «Fusion» gesprochen worden. Die «boulevardeske Berichterstattungsart von inside-channels und inside-it habe jedenfalls für einige Aufregung in der Geschäftsleitung gesorgt, «weshalb wir uns nun entschlossen haben, so lange keine weiteren Werbegelder mehr für Inserate auf inside-it und inside-channels bereitzustellen, bis die Berichterstattung über Canon seriöser geworden ist».

Was Wunder, dass Gurtners E-Mail von Hugenschmidt als «Inserateboykott wegen unliebsamer Berichterstattung» interpretiert wird. Es sei ein Phänomen, mit dem seine Redaktion immer öfter konfrontiert werde: «Man will nur Werbung buchen, wenn wir uns zu Hofberichterstattung verpflichten.»

Obwohl Canon-Gurtner eigentlich der Meinung ist, dass «diese Story» für die Leser des «Sonntags» «nicht von Interesse sein dürfte», reagiert er mit einem langen E-Mail auf den Boykott-Verdacht. Er beanstandet erneut die Verwendung des Begriffes «Fusion», wo es sich doch einfach um ein «näher Zusammenrücken» handle und will von einem Inserateboykott partout nichts wissen. Als PR-Manager sei er für Inserateschaltungen nicht verantwortlich, ihm stehe «im Rahmen meines PR-Budgets lediglich ein Kleinstbetrag zur werblichen Unterstützung von PR-Massnahmen zur Verfügung». Einen Teil dieses Betrages habe er zur Schaltung eines Banners auf der App von inside-it eingesetzt.

Ganz offensichtlich nicht aus altruistischen Gründen: «Wir sind angehalten, unser PR-Budget dort einzusetzen, wo es unsere PR-Botschaften bestmöglich unterstützt. Dass wir folglich nicht daran interessiert sind, Werbung dort zu platzieren, wo falsche Informationen über unser Unternehmen zu finden sind, dürfte einleuchtend sein.»

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