VON HEIKE LE KER (SPIEGELONLINE) UND LUKAS FÜGLISTER

Obwohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wegen der Schweinegrippe schon vor zwei Monaten die höchste Pandemie-Stufe ausgerufen hat, bleiben die Menschen auch in der Schweiz ruhig. Bei den allermeisten der 605 Personen, die sich laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) bisher mit dem neuen Influenza-Stamm H1N1 infizierten, verlief die Grippe harmlos.

Doch es gibt Risikogruppen, bei denen eine Erkrankung mit der Schweinegrippe lebensgefährlich werden kann: Dazu zählen Schwangere, Neugeborene und Menschen mit chronischen Krankheiten und geschwächtem Immunsystem. Wie eine Auswertung von Infektionen in den USA von April und Juni 2009 in der Fachzeitschrift «Lancet» zeigt, starben in diesem Zeitraum sechs schwangere Frauen an der Schweinegrippe.

Sie hatten eine Lungenentzündung bekommen und waren zu schwach, um die Infektion abzuwehren. Das erste Todesopfer auf dem europäischen Festland war eine Spanierin – sie war im siebten Monat schwanger.

Die Frage nach Schutz, Vorbeugung und Therapie ist für diese Gruppe daher von zentraler Bedeutung. Das Problem dabei: Kaum ein Experte weiss mit Sicherheit, ob die derzeit im Test befindliche Massenimpfung gegen H1N1 sicher für Schwangere ist. «Es liegen derzeit noch keine Ergebnisse über Wirksamkeit und Sicherheit der verschiedenen Impfstoffe vor», sagt Ulrich Heininger vom Robert-Koch-Institut in Berlin. «Dementsprechend haben wir auch keine Daten zu Schwangeren.»

Und solche Daten wird es vorderhand auch nicht geben. Denn klinische Tests mit schwangeren Frauen werden nur selten genehmigt. «Das ist quasi ein No-Go», sagt Frank von Sonnenburg, der die kürzlich in Deutschland begonnene Untersuchung eines Impfstoffs gegen das neue H1N1-Virus an der Universität München koordiniert. Auch an der Schweizer Studie, in der aktuell an der Universität Zürich der Impfstoff von Novartis an 200 Personen getestet wird, dürfen keine Schwangeren teilnehmen.

Eine schwierige Situation für die Forscher: Einerseits brauchten Schwangere eine Impfung am nötigsten, andererseits gibt es keine Daten zu den Nebenwirkungen bei Schwangeren.

Das liegt zum einen daran, dass sich hierzulande – anders als in den USA – nur wenige Schwangere gegen eine normale saisonale Grippe impfen lassen. In den ersten drei Monaten der Schwangerschaft warnt das BAG gar vor einer Impfung: «Die Influenzaimpfung sollte bevorzugt erst ab dem zweiten Drittel der Schwangerschaft erfolgen», heisst es in den BAG-Empfehlungen.

Bei einer Impfung im ersten Drittel bestehe die Gefahr eines spontanen Frühaborts. Fällt die Geburt des Kindes in die Grippesaison, hält das BAG aber eine Impfung nach dem ersten Schwangerschaftsdrittel für angebracht.

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