Herr Mazzara, seit diesem Sommer beschäftigt Joiz den nicht ganz günstigen PR-Berater Jürg Wildberger. Was haben Sie für ein Problem?
Alexander Mazzara: Keines. Wir wachsen. Wir haben in Deutschland und in der Schweiz zwei Fernsehsender und mit joiz Global 2014 eine Schwestergesellschaft gegründet, die unsere selbst entwickelte digitale Plattform international vermarktet. Mit ihr sind wir in letzter Zeit viele verschiedene internationale Partnerschaften eingegangen und haben entsprechend viele Medienanfragen erhalten. Deshalb mussten wir unsere Kommunikation professionalisieren.

Medienberichte gabs zuletzt wegen vieler Abgänge. Wir haben im vergangenen halben Jahr zehn aus Management oder Moderation gezählt.
Diese Berichte gab es, ob sie der Wahrheit entsprechen, ist eine andere Frage. (Wir gehen alle 10 Namen einzeln durch: 4 sind teilweise noch als freie Mitarbeiter für Joiz tätig oder deren Abgang ist nicht bestätigt.)

Selbst wenn wir nur mit den 6 rechnen: Da ging doch viel Know-how verloren?
Das sehe ich anders. Es ist ein normaler Prozess. Wir sind fünf Jahre alt und haben einige, die von Anfang an dabei sind und uns nun aus den unterschiedlichsten Gründen verlassen haben. Joiz verändert sich und wir haben viele neue, gut qualifizierte Mitarbeiter gewonnen.

Der Erfolg eines TV-Unternehmens misst sich an Zuschauerzahlen. Weil Sie diese anders eruieren als herkömmliche TV-Sender, lässt sich kaum sagen, wie erfolgreich Sie sind.
Selbstverständlich erheben wir Nutzerzahlen. Und zwar auf allen Kanälen, wo Joiz-Nutzer unterwegs sind. Auf dem Smartphone oder dem PC und nicht nur auf dem klassischen TV-Screen. Wir haben ein Tool, das die Gesamtreichweite misst und von einem unabhängigen Unternehmen zertifiziert wird. In der Schweiz erreichen wir pro Monat 300 000 Zuschauer. Dank den Werbeeinnahmen erzielen wir in der Schweiz dieses Jahr erstmals einen Gewinn.

Zwei Drittel dieser Zuschauer konsumieren Joiz online, verbringen jedoch durchschnittlich bloss 2 Minuten und 46 Sekunden auf Ihrer Website. Das ist sehr kurz für einen TV-Sender.
Wir haben ein junges Publikum. 65 Prozent unserer Online-Nutzer konsumieren Joiz auf ihrem Mobile. Da ist die Nutzungsdauer sehr viel tiefer als auf dem Desktop oder vor dem TV. Dafür konnten wir die Nutzerzahlen stark steigern. Selbstverständlich wollen wir auch die Verweildauer der Nutzer weiter steigern.

Worin sehen Sie abgesehen davon Ihre grössten Herausforderungen?
Im schnellen Wandel, in dem sich alle Medienunternehmen befinden. Um darin bestehen zu können, mussten wir uns überlegen, was wir für einen Mehrwert bieten können. Wir sind ursprünglich als TV-Betreiber gestartet und haben in den letzten Monaten ein zweites, strategisch wichtiges Standbein entwickelt. Wir haben eine in der Schweiz einzigartige interaktive Plattform entwickelt, die wir jetzt an diverse internationale Firmen weiterverkaufen. Diese Expansion ist für uns ein wichtiger Schritt, um langfristig Mehrwert für unser Unternehmen zu schaffen.

Dieses Geschäftsfeld liegt fernab vom journalistischen Touch, mit dem Sie als TV-Sender gestartet sind.
Das ist richtig. Wir bleiben weiterhin auch ein TV-Betreiber und investieren als solcher in den Journalismus. Ich glaube fest an die Macht des Programms. Mit der Technik allein werden wir uns nicht durchsetzen. Wir haben deshalb die neue Stelle eines Chefredaktors geschaffen. Das hatten wir bisher noch nicht. Ich dränge zudem darauf, dass wir unsere Sendeformate immer wieder überdenken. Nur weil wir es in den letzten fünf Jahren so gemacht haben, heisst das noch nicht, dass wir es auch heute noch richtig machen.

Merken die Zuschauer etwas davon?
Wir haben bei unserem TV-Sender in Deutschland in diesem Frühling das Programm stark angepasst. Live funktioniert dabei besonders gut. Deshalb haben wir auch mehr gemacht als je zuvor – bis zu vier Stunden am Tag. Das ist viel. In der Schweiz machen höchstens noch die da drüben mehr (zeigt aus dem Fenster des Joiz-Büros in die Richtung der SRF-Studios), aber die Privaten machen deutlich weniger. Daraus haben wir sehr viel gelernt, und das wollen wir in der Schweiz jetzt anwenden.

Das klingt nach einem Relaunch.
So weit würde ich nicht gehen. Aber es ist richtig: Wir werden auf das neue Jahr hin unser Portal und den Programmraster gründlich überarbeiten. Ein Grund dafür ist, dass Mobile für uns enorm wichtig ist. Dennoch funktioniert das Fernsehen als Leuchtturm nach wie vor sehr gut. Live dabei zu sein, ist ein grosses Bedürfnis. Das zeigen ja auch Angebote wie der Live-Streamingdienst Periscope, die nur auf dem Smartphone funktionieren, aber noch kaum journalistische und erzählerische Qualität haben.

Könnten Sie etwas präziser sein?
Wir richten unser Angebot stärker auf die Mobile-Nutzung aus. Da wollen wir neue Formen finden, wie wir diesen Effekt des «in diesem Moment bin ich dabei» einfangen können. Dafür müssen wir auch neue Erzählformen finden. Das ist die grosse Herausforderung.

Das war nicht wirklich präziser.
Im Detail kann Ihnen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht wirklich viel erzählen.

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