VON EVELYNE BAUMBERGER

Eine romantische Komödie über zwei Schwule, die sich im Gefängnis kennen lernen – was war Ihre erste Reaktion, als Sie das Rollenangebot bekamen?
Ewan McGregor: Ich dachte: Das ist eine grossartige Story. Ich war überrascht, als ich herausfand, dass sie auf einer wahren Geschichte basiert.

Haben Sie gezögert, die Rolle anzunehmen?
Weil meine Figur schwul ist? Nein. Als Schauspieler ist es mein Job, so zu tun, als wäre ich jemand anderer, und jeder ist einzigartig – schwul, hetero oder wie auch immer –, es war für mich ganz einfach kein Thema. Ich mochte das Romantische am Skript sehr.

In den USA schrieben Kritiker, «I Love You Philip Morris» sei genauso wichtig wie «Brokeback Mountain». Hollywood-Stars spielen mit und es geht für einmal nicht um «leidende» Schwule . . .
Als der Film in Sundance zum ersten Mal gezeigt wurde, gab es eine Pressekonferenz in einer Schwulenbar. Dabei wurde paradoxerweise ständig betont, dass der Film kein Schwulenfilm sei . . . Natürlich ist es ein Schwulenfilm. Aber der Punkt ist nicht, dass die beiden schwul sind, sondern es geht um all diese unglaublichen Dinge, die sich Steven Russell einfallen lässt, um mit Philip zusammen zu sein. Diese Betrügereien sind der Wahnsinn – zum Beispiel, den eigenen Tod vorzutäuschen! Das ist ein Unterschied.

Der Film fand ja in den USA lange keinen Verleiher – war das der Preis für die schwule Romantik?
Als der Film 2009 in Sundance lief, war der Finanzmarkt gerade zusammengebrochen. Filmverleiher waren generell zurückhaltend und wollten nur Filme, die bombensicheren Erfolg versprachen.

Haben Sie den echten Philip Morris kennen gelernt?
Ja – es war sehr interessant. Wir sind im Auto herumgefahren und haben Spaziergänge gemacht. Im Skript wird Phillip als dieses zerbrechliche, zarte Pflänzchen beschrieben. Doch in echt ist er ein ziemlich harter Mann – er verbrachte neun Jahre im Gefängnis und das hinterlässt natürlich Spuren.

Sie spielen ihn aber im Gegensatz dazu trotzdem recht niedlich, feminin. War das Ihre Interpretation?
Philip ist sanft, aber gleichzeitig sehr männlich – er liebt Männer und will mit Männern zusammen sein. Ich wollte auf keinen Fall einem Stereotyp entsprechen oder aussehen wie ein Hetero, der «schwul» spielt.

Wissen Sie, ob Philip und Steven noch Kontakt haben?
Ja, sie schreiben einander. Aber Philip besucht Steven nie im Gefängnis. Steven hat mehrmals «lebenslänglich» bekommen und verbringt 23 Stunden am Tag in seiner Zelle. Und das für ein gewaltloses Verbrechen – er stahl um die 800 Riesen, das wars. Aber er spazierte aus texanischen Gefängnissen raus und das hat denen wohl überhaupt nicht gefallen . . . (lacht)

Und wie hat es sich angefühlt, Jim Carrey zu küssen?
Das scheint die Leute am meisten zu interessieren! Es hat sich gut angefühlt, Jim Carrey zu küssen. Aber die romantischste Szene ist die, wo wir in der Zelle tanzen, während nebenan einer verprügelt wird. Die Szene ist witzig und sehr gefühlvoll. Beim Tanzen fühlte ich mich viel exponierter, viel nackter als bei allem anderen.

Der Film wurde in einem echten Gefängnis gedreht . . .
Das war sehr deprimierend. Wir haben in «Angola» gefilmt, einem Gefängnis, in dem 90 Prozent der Insassen bleiben, bis sie sterben. Wenn wir abends weggefahren sind, war mir sehr bewusst, dass wir die Einzigen sind, die das Gefängnis verlassen dürfen. Alle Statisten in den Gefängnisszenen sind echte Gefangene.

Gab es nie eine brenzlige Situation?
Die Insassen waren sehr nett zu uns und offensichtlich glücklich über die Abwechslung. Es gab aber einen witzigen Moment, in der Szene, wo ich durch das ganze Gefängnis renne. Ich stand am Ende eines Ganges, links und rechts Gefangene. Plötzlich war das Kamerateam so weit entfernt und ich völlig auf mich allein gestellt . . . Ein grosser Typ mit Afro hat mich noch dazu intensiv angeblickt. Eines Tages kam er dann zu mir und sagte: «Ich finde, es müsste noch eine Szene geben, wo Jim und ich uns um dich prügeln.» (lacht)

Sie sind verheiratet und haben drei Kinder. Wenn Sie aber schwul wären, auf wen würden Sie stehen?
Ich wäre gerne Philip Seymour Hoffmans Freund. Ich kenne ihn nicht persönlich, aber ich bin sicher, wir würden ein gutes Paar abgeben. Wir würden interessante Partys besuchen und hätten bestimmt viel Spass zusammen.

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