Damit gehört Neininger noch zu den Optimisten: Für viele seiner Branchenkollegen, wie «NZZ»-CEO Polo Stäheli oder Tamedia-Verleger Pietro Supino, ist eine Zusammenarbeit mit der SRG tabu. Dabei leben selbst Schlachtferkel nach der Devise, wonach die Hoffnung zuletzt stirbt. Vorbei ist die Harmonie zwischen Verlegern und SRG, die dank Gebührenzahlungen an serbelnde Privatstationen noch wohliger wurde.

Bundesrätin Leuthards magistraler Appell zur Versöhnung konnte die erstarkte Verlegersolidarität überhaupt nicht schwächen. Im Gegenteil. Mitte dieser Woche kündeten die Grossverlage NZZ, Ringier und Tamedia die Gründung einer gemeinsamen Online-Verkaufs-Firma an, die drei Viertel des Marktes abdeckt. Obwohl kartellrechtlich fraglich, ist es kaum jener Kompromissvorschlag, der die Medienministerin an der Verlegertagung in Flims zum Jahresende eingefordert hatte. Weihnachtswunder sind selten geworden, Kampfansagen dafür häufiger.

Der strittige Werbekuchen betrage lediglich 30 Millionen Franken, höhnte «Weltwoche»-Medienspezialist Kurt W. Zimmermann. Was Zimmermann übersah: Mittlerweile geht es in diesem Konflikt weniger ums Geld als ums Prinzip. Zu lange glaubten die Verleger, sie seien – um in der Neiningerschen Diktion zu bleiben – die Specklieferanten der SRG gewesen.

SRG-Generaldirektor Roger de Weck sieht sich zum Jahresende in der gleichen Rolle wie sein Nichtidol Christoph Blocher im Zürcher Ständeratswahlkampf: Alle gegen einen. Obwohl die Chance wächst, dass am Ende wieder einmal die SRG siegt. Mit Frau Leuthards Segen und ein bisschen Schwein.

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