VON FLURINA VALSECCHI

«Es ist alles möglich», sagt Hans Peter Willi, Abteilungschef Gefahrenprävention beim Bundesamt für Umwelt (Bafu). Kurzfristig seien zwar keine Überschwemmungen zu erwarten. Aber: «Beim ungünstigen Zusammentreffen von verschiedenen Faktoren muss im weiteren Verlauf des Frühlings mit Hochwasser gerechnet werden.»

Im Moment wird die Lage in den Bergen permanent von den Fachleuten von Meteo Schweiz, vom Schnee- und Lawinenforschungsinstitut in Davos und vom Bafu über-wacht. Und am Freitag haben sich die Verantwortlichen in Bern zu einer dringlichen Sitzung getroffen.

Die Experten haben die heutige Situation mit dem Katastrophenjahr 1999 verglichen und kommen zum Schluss: Die Lage ist ernst. «Wir erachten es als notwendig, die weitere Entwicklung aufmerksam zu verfolgen.» Damals richteten Hochwasser nach einem Jahrhundertwinter in der Deutschschweiz einen Schaden von 580 Millionen Franken an.

Die aktuelle Lageanalyse zeigt jetzt:

Schneemenge: Gemäss dem Davoser Schnee- und Lawinenforschungsinstitut haben nach den Schneefällen der vergangenen Tage nun alle Regionen der Schweizer Alpen entweder ähnlich viel oder mehr Schnee als 1999.

Schneehöhe: Praktisch alle Stationen weisen stark überdurchschnittliche Schneehöhen auf. Im Vergleich zu anderen schneereichen Wintern (1951, 1968, 1970, 1980, 1999) zeigen sich momentan keine grossen regionalen Unterschiede.

Wassergehalt im Schnee: Für die Hochwassergefahr ist der Wassergehalt der Schneedecke von Bedeutung. Nach den Schneefällen der vergangenen Tage dürften sich die Werte in einer ähnlichen Grössenordnung wie 1999 bewegen.

Zwei Faktoren werden entscheiden, ob es tatsächlich zu einem Hochwasser im Frühling kommt – so wie 1999: Wenn es in den nächsten Wochen zu einer längeren Wärmeperiode und einem starken Anstieg der Nullgradgrenze in den Bergen käme. Und wenn es langanhaltende Niederschläge mit hoher Schneefallgrenze gäbe.