Auf einen Schweizer Bonus kann die Berner Heilsarmee-Band wohl bei der Europäischen Rundfunkunion (EBU) nicht hoffen. Obwohl die Veranstaltungs-Chefin des Eurovision Song Contests (ESC) eine Schweizerin ist: Ingrid Deltenre (52).

Die ehemalige Direktorin des Schweizer Radio und Fernsehens (SRF) spricht Klartext: «Wir hatten das Schweizer Fernsehen bereits vor seiner nationalen Auswahl informiert, dass – sollte dieser Song gewinnen – der Name der Band und ihre Kleidung geändert werden müssen», sagt Deltenre.

Grund für die Auflage: «Die Heilsarmee ist eine Organisation und eine Marke. Der Song Contest ist aber keine Bühne, um Marken und deren Werte zu bewerben.» Diese Regel gelte für die Heilsarmee genauso wie sie auch beispielsweise für Greenpeace, WWF, Nike oder Apple gelten würde. «Wenn die Band nicht ‹Heilsarmee› heissen und nicht deren offizielle Uniform tragen würde, würde der Beitrag den Regeln des ESC entsprechen und wäre willkommen.»

Zur Problematik, dass eine Freikirche die Schweiz vertritt, sagt Deltenre: «Die Schweizer haben sich für diese Band entschieden, weil sie sich durch die Band am besten vertreten fühlen.»

Warum das Schweizer Fernsehen die Heilsarmee trotz Änderungsauflagen der EBU ins Rennen schickte, ist fraglich. Sven Sarbach, Leiter Show und Events sagt: «Die EBU wies uns zwar darauf hin, dass die Heilsarmee mit ihrer Uniform und ihrem Namen wegen Regelverstössen allenfalls nicht auftreten könne. Eine definitive Beurteilung sicherte die EBU uns aber erst nach der Nomination zu.» Ein Ausschluss der Heilsarmee hätte folglich lediglich auf Hinweisen beruht.

Momentan versucht die Direktion der Heilsarmee, mit den Verantwortlichen des SRF eine Lösung zu finden. Für die Heilsarmee scheint sich bereits der nationale Auftritt gelohnt zu haben: «Die vielen kreativen Vorschläge für Namen und Outfit zeigen uns, dass man uns wahrnimmt», sagt Sprecher Martin Künzi. «Die positive Welle, die wir bewirken wollten, ist übergeschwappt.»

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