Der Sturm der Ablehnung hat Windstärke acht erreicht – niemand scheint die neuen Radio-Signete auf Anhieb zu mögen. Die Kommentare auf Twitter und Online sind häufig harsch. Von «Gebührenverschwendung» ist die Rede und von «unnötiger Umstellung». Die allgemeine Empörung zeigt eines ganz deutlich: Radio DRS ist seinen Hörerinnen und Hörern über die letzten 30 Jahre richtig ans Herz gewachsen.

Eine emotionale Bindung zu Radio DRS stellt auch Andreas Rotzler fest. Der Creative Director von Interbrand sagt: «Ich bin mit DRS 3 aufgewachsen.» Michel Gabriel ist Managing Director von Interbrand. Auf den Logo-Wechsel angesprochen, sagt er: «Ich frage mich, welchen Vorteil haben eigentlich die Hörer durch die Umbenennung? DRS 1, DRS 2, DRS 3 haben je ihr Zielpublikum. Man verknüpft die Senderbezeichnungen mit einzelnen Sendungen oder mit den Namen von Moderatoren. DRS hat sich über Generationen einen hohen Bekanntheitsgrad erarbeitet. Jetzt schüttet man quasi das Kind mit dem Bade aus und opfert leichtfertig Vertrauenskapital.»

Andreas Rotzler sagt, dass DRS 1, DRS 2 und DRS 3 «mit Inhalten gefüllt» seien, «man weiss, was man erwarten kann». Für ihn ist DRS «beinahe so etwas wie ein Kulturgut» geworden, weshalb für ihn die Änderung «nicht nachvollziehbar» ist: «Ich sehe keinen triftigen Grund dafür.» Markenspezialist Gabriel weist darauf hin, dass Radiomarken «meist kurze Namen» hätten. Und er befürchtet, dass sich «‹SRF eins› nur schwer schön aussprechen» lasse.

Auch das Logo-Design stösst bei den beiden Interbrand-Kadern auf Ablehnung. Andreas Rotzler: «So wie das Logo jetzt gestaltet ist, wird niemand einen der Sender ‹SRF eins› nennen. Die Zahlen stehen im Vordergrund, also werden sich vor allem die Zahlen einprägen.» Rotzler ganz dezidiert: «Die optische Umsetzung des neuen Namens ist absolut misslungen. Sie bedeutet gegenüber der heutigen Lösung einen gewaltigen Rückschritt. So, als ob man aus dem VW-Golf eine Barockkutsche gemacht hätte.»

Interbrand ist bekannt dafür, den Wert von bekannten Marken beziffern zu können. Im vergangenen Herbst veröffentliche die Beratungsfirma eine Rangliste der kostbarsten Marken. Nescafé steht mit einem Wert von 12,1 Milliarden Dollar auf Rang 30. In der Schweiz hatte Migros vor fünf Jahren einen Markenwert von 422 Millionen Franken. Und wie hoch ist der Wert des Labels «DRS»? Michel Gabriel sagt, dass es unseriös wäre, eine Schätzung zu machen. «Unbestreitbar ist aber, dass die Marke ‹DRS› einen enormen Wert hat. Wegen des Vertrauens, das sie geniesst und wegen der emotionalen Bindung, die viele Hörer zum Namen haben.»

Auf die happige fachKritik mag das Unternehmen SRF nicht eingehen. Sprecherin Andrea Hemmi: «Wir sind vom neuen Branding überzeugt. Daher verzichten wir nun darauf, auf alle kritischen Stimmen Repliken abzugeben.»

Bekannt ist, dass sich die Kosten für das Rebranding auf 70 000 Franken belaufen. Nicht erfasst ist der Aufwand der leitenden SRF-Mitarbeiter. Von SRF-Sprecherin Hemmi war nicht zu erfahren, wie hoch diese Lohnanteile sind. Dafür sagte sie, dass das Rebranding keine nennenswerten Folgekosten nach sich ziehe: «Es gibt keine neuen Visitenkarten oder Fahrzeugbeschriftungen.» Die Installation der Marke SRF an Gebäuden und Fahrzeugen, der Druck von Briefpapier sei 2011 über die Bühne gegangen, zusammen mit der Neuinstallation der Schriftzüge der anderen SRG-Unternehmenseinheiten.

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