VON KATRIN ZÖFEL

Die Henne streckt ihren Kopf in die Höhe, plustert sich auf und gackert. Prüfend schaut sie sich um. Und gackert wieder. «Sie hat gerade ein Ei gelegt», erklärt Tine Lentfer. Ein grosses Ereignis für die Henne, an dem möglichst alle teilhaben sollen. Sie stolziert zwei Schritte und gackert weiter.

Tine Lentfer ist Wissenschafterin am Zentrum für tiergerechte Haltung in Zollikofen nahe Bern, einer Aus-senstelle des Bundesamtes für Veterinärwesen. In einer Versuchsvoliere mit 360 Hennen hinterfragt sie die gängige Lehrmeinung der Hühnerforscher.

Diese sagt: Hühner haben wie wir Menschen lieber getrennte Bereiche für all das, was sie so tun am Tag. Einen Platz fürs Schlafen, einen Platz fürs Fressen, einen fürs Scharren und Ruhen und eben auch einen fürs Eierlegen.

Unklar ist, wie strikt diese Trennung sein muss: «Ich schaue mir an, ob die Hühner genauso gut und gerne legen, wenn die Nester ganz nahe bei den anderen Bereichen liegen», sagt Lentfer. Stören Hennenkolleginnen, die auf dem Weg zum Futtertrog am Nesteingang vorbeikommen, beim Eierlegen? Oder gibt es allenfalls mehr Streit vor dem Nesteingang?

Mit ihren Versuchen möchte Lentfer vor allem herausfinden, wo in der Voliere ein Nest am besten platziert ist. «Praktisch wäre es, wenn man Nest, Futter und Ruheplätze zusammen in ein einziges Gestell bauen könnte», sagt sie. Dieser Bock liesse sich dann platzsparend in die Mitte der Voliere stellen. In der Praxis stehen die Nester meist an der Wand und das Gestell in der Mitte, was in der Voliere viel Platz wegnimmt.

Hühner inspizieren, bevor sie ihr Ei am Morgen legen, zunächst einmal gründlich einige Legeplätze. «Sie schauen in die Nester hinein und gehen dann weiter», erklärt Tine Lentfer. Wie lange ein Huhn braucht, bis es sich zum Legen niederlässt, sei auch ein Mass dafür, wie wohl sich die Tiere fühlen.

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