VON MARTIN AMREIN

Eine gute Fee stellt man sich anders vor: Mit kahlem Kopf, Hornbrille und grell violettem Hemd flackert Richard Wiseman auf dem Bildschirm.

Und trotzdem erinnert der britische Wissenschafter an wohlgesinnte Sagengestalten, will er doch die Betrachter seiner Internetvideos zu glücklicheren Menschen machen: «Wenn wir glücklich sind, lachen wir.

Die Forschung zeigt, dass auch das Umgekehrte funktioniert: Je mehr wir lächeln, desto glücklicher fühlen wir uns», tönt es aus den Computerboxen. «Also setzen Sie täglich ein Lächeln auf!»

Wiseman lehrt Psychologie an der University of Hertfordshire und interessiert sich für die Sonnenseiten der menschlichen Psyche: Neben dem Glücklichsein (englisch «happiness») gehören auch Glück (englisch «luck») und Humor zu seinen liebsten Forschungsthemen.

Seine Experimente finden selten im stillen Kämmerlein statt, Professor Wiseman betreibt «Wissenschaft 2.0»: Der Psychologe stellt seine Forschungsergebnisse nicht nur über Youtube der Öffentlichkeit vor, viele seiner Studien sind regelrechte Massenveranstaltungen der Internetgemeinschaft.

So richtete Wiseman 2001 das «Laugh Lab» ein – eine Website, die als virtuelles Lachlabor fungierte. Das Ziel der Aktion war, «mit wissenschaftlichen Mitteln den lustigsten Witz der Welt zu ermitteln». Das «Laugh Lab» war einer der grössten sozialwissenschaftlichen Feldversuche, die es je gab.

Mehr als 350 000 Menschen aus 70 Ländern nahmen teil, bewerteten die Lustigkeit diverser Witze und lieferten Wiseman damit wertvolle Daten zur Funktionsweise von Humor in verschiedenen Gesellschaften – ein Themenfeld, zu dem es vorher so gut wie keine Studien gab.

Und der lustigste Witz? Er ist kein «Knaller», sondern der grösste gemeinsame Nenner der Teilnehmer: Zwei Jäger gehen auf die Jagd und wandern durch den Wald. Plötzlich greift sich der eine an die Kehle und stürzt zu Boden. Der andere Jäger gerät in Panik und ruft den Notarzt an: «Ich glaube, mein Freund ist tot, was jetzt?» Der Arzt sagt: «Beruhigen Sie sich! Zunächst einmal müssen Sie sichergehen, dass Ihr Freund wirklich tot ist.» Kurze Pause, dann ein Schuss. Dann kommt er wieder ans Telefon. «Okay, erledigt, und was jetzt?»

Obwohl die Arbeit von Richard Wiseman populistisch daherkommt, bleibt sie gute Wissenschaft. Regelmässig publiziert der Psychologe in angesehenen Fachblättern wie «Nature» oder «Science».

Anders als viele seiner Kollegen scheut Wiseman die Öffentlichkeit nicht: Dank zahlreichen Buchpublikationen ist er in England so prominent, dass er etwa gleich häufig in Fernsehshows erscheint wie auf dem Universitätscampus.

Derzeit konzentriert er sich darauf, Menschen glücklicher zu machen. Das eingangs erwähnte Internetvideo ist Bestandteil von Wisemans neustem Massenexperiment.

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