Wenn es stimmt, dass in schwierigen Zeiten politische Satire Hochkonjunktur hat, dann müssten die Zuschauerzahlen von «Giacobbo/Müller» & Co. nun explodieren. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die altbewährten Satire-Shows verlieren trotz anhaltender Krise ihre Zuschauer.

Prominentes Beispiel ist der deutsche Harald Schmidt, der ehemalige Quoten-König unter den Late-Night-Shows. Ende der Neunzigerjahre schalteten wöchentlich Millionen Fans ein, um seine bissigen Sprüche zu hören. Heute dümpelt Schmidt beim Bezahlsender Sky der Bedeutungslosigkeit entgegen – und wird selbst Opfer der Satire. «0,00 Millionen wollen Harald Schmidt sehen», titelte die «Süddeutsche Zeitung» zuletzt. Nicht einmal 5000 Leute verfolgten seine Sendung. Der Marktanteil lag damit offiziell bei 0,0 Prozent.

Davon ist das Schweizer Pendant und SRF-Prestigesendung «Giacobbo/Müller» weit entfernt. Doch der Trend geht in die gleiche Richtung. Dieses Jahr schalteten erstmals weniger als 400 000 Zuschauer ein, durchschnittlich waren es 387 000. Das entspricht einem Rückgang von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch der Marktanteil sank von 34 auf 31 Prozent.

Hinzu kommt, dass noch immer kein neuer Sponsor gefunden wurde, nachdem die Mobiliar letztes Jahr ausstieg – obwohl die Moderatoren in der Sendung gerne mit einem Augenzwinkern auf ein mögliches Sponsoring hinwiesen.

Für das SRF bleibt die Sendung aber über jeden Zweifel erhaben. «Eine Show mit durchschnittlich über 30 Prozent Marktanteil und fast 400 000 Zuschauern ist weit entfernt von einem Bedeutungsverlust», sagt Rolf Tschäppät, SRF-Bereichsleiter für Comedy und Quiz. Die sinkende Zuschauerzahl sei auch auf den neuen, späteren Sendeplatz zurückzuführen, den «Giacobbo/Müller» seit September 2011 belegt.

Dabei ist es heute durchaus möglich, mit Satire-Sendungen neue Zuschauer zu gewinnen, wie derzeit die «Heute-Show» der ARD beweist. Der deutsche Ableger der amerikanischen Kultsendung «The Daily-Show» mit Jon Stewart erreichte im Herbst Rekordwerte mit über drei Millionen Zuschauern.

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