VON FELIX STRAUMANN

Schluss mit mürrischen Gesichtern und gereizten Gehässigkeiten. Zeit für eine Runde Antidepressiva für alle! Dies ist kein frommer Wunsch, sondern findet in diesen Tagen überall statt.

Denn für Wissenschafter ist klar: Nach den kurzen, düsteren Wintertagen wirkt die Frühlingssonne für viele wie ein Medikament – und weckt die Frühlingsgefühle in uns. «Wenn Licht aufs Auge trifft, sind etwa 80 Prozent des Gehirns beschäftigt – vieles hat dabei nichts mit dem Sehen zu tun», sagt Markus Canazei.

Der Wahrnehmungspsychologe und Ingenieur vom Lichtlabor Bartenbach bei Innsbruck kennt sich aus mit der stimmungs-aufhellenden Wirkung von Licht. Er gehört zu den Forschern, die die Wirkung von Lichtstrahlen untersuchen, insbesondere bei Kranken.

Ein Resultat dieser Forschung ist die Lichttherapie mit speziellen Lampen, die bei Menschen mit Winterdepressionen inzwischen etabliert ist. Doch intensives Licht kann auch bei nichtsaisonaler Depression, Demenz, Babyblues, Bulimie und anderen Krankheitsbildern helfen, wie neue Forschungen zeigen.

auch bei Gesunden steigt die Stimmung dank den neuen Lichtverhältnissen im Frühling. Der Grund: «Das Licht hilft uns, unseren inneren Rhythmus mit der äusseren Umgebung zu synchronisieren», weiss Canazei. Dieser innere Rhythmus, von dem zahlreiche Prozesse im Körper abhängen, gerät im Winter aus dem Takt.

Denn die innere Uhr, die sich im suprachiasmatischen Kern des Gehirns befindet, gibt den 24-Stunden-Rhythmus nur ungefähr vor. Dafür zuständig sind in der einen Millimeter grossen Hirnregion rund 10 000 Nervenzellen, in denen so genannte «Chrono-Gene» periodisch aktiv sind.

Weil dieser Rhythmus zu ungenau ist, muss er immer wieder mit der Umgebung abgestimmt werden, vor allem mit dem Tageslicht. Im Herbst und Winter ist dieses Licht jedoch zu schwach dafür. Zudem halten wir uns die meiste Zeit in Innenräumen auf, deren Beleuchtung nicht ausreicht. Wenn wir draussen sind, dann vor allem am Morgen und Abend, wenn es dunkel ist.

Die Folgen: Am Morgen fällt das Aufstehen schwer, tagsüber wird man schneller müde, gereizt oder niedergeschlagen. Bei rund zwei Prozent der Bevölkerung führt dies zum Extremfall – einer Winterdepression, die ohne Behandlung erst im Frühjahr bessert. Zirka neun Prozent leiden unter etwas milderen Symptomen, auch «Winter-Blues» genannt. Dies zeigte eine Fragebogenuntersuchung der Universität Basel.

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