Es ist der grösste Börsengang in der Geschichte der Technologie-Branche. Am ersten Börsentag des weltumspannenden sozialen Netzwerks werden auf einen Schlag zig Milliarden Dollar neu verteilt. Tausende Anleger werden die neuen Titel an der Wall Street kaufen – und damit ein paar wenige Investoren um Millionen oder Milliarden reicher machen.

Allein das Aktienpaket von Facebook-Gründer und Firmenchef Mark Zuckerberg dürfte vom Markt mit 15 bis 17 Milliarden Dollar bewertet werden. Facebook selbst dürfte es auf eine Bewertung von insgesamt 77 bis fast 100 Milliarden Dollar bringen. Damit ist Facebook der mit Abstand gewichtigste Börsengang der letzten Jahre.

Auch Anleger in der Schweiz werden von Initial Public Offering (IPO), wie der Börsengang in der Bankersprache heisst, profitieren. Einer, der bereits vor dem Börsengang abkassierte, ist der Zürcher Investor Daniel Gutenberg. Er habe mit dem Deal «ein paar Millionen gemacht», sagt er dem «Sonntag» und fügt an: «Facebook war nicht mein bestes Investment.»

Das dürfte leicht untertrieben sein. Wie aus Investorenkreisen zu erfahren ist, organisierte Gutenberg bereits 2007 ein Facebook-Aktienpaket im Umfang von drei Millionen Dollar und verkaufte es letztes Jahr der Investmentbank Goldman Sachs, die jetzt den Börsengang begleitet. Die Aktien selbst stammten von Facebook-Mitarbeitern, die aussteigen oder sich einen Konsumwunsch erfüllen wollten.

Er kaufte das Paket, als Facebook mit drei Milliarden bewertet war. Als er es wieder abstiess, soll der Wert zwischen 30 und 50 Milliarden Dollar betragen haben. Er hat damit zwischen 30 und 50 Millionen «gemacht». Der Gewinn für Gutenberg dürfte allerdings deutlich kleiner sein, da er die Aktien auch bei Kollegen seiner Investorengruppe Brains-to-Venture sowie vermögenden Privatkunden platzierte.

Zu den Teilkäufern gehören dem Vernehmen nach Peter Schüpbach von Fashionfriends sowie Peter Niederhauser, der bei Xing und StudiVZ investierte. Sie sollen jeweils rund 100 000 Franken investiert haben.

Heute noch Aktionär bei Facebook soll Klaus Hommels sein, von der gleichnamigen Zuger Finanzholding. Er soll die Beteiligung unabhängig von Gutenberg aufgebaut haben. Er war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Der Facebook-Börsengang sorgt seit Wochen für Schlagzeilen. Doch Profi-Investoren schauen sich längst nach anderen Firmen um. Den Erlös aus dem Facebook-Paket steckte Gutenberg in Zynga, einem Spieleanbieter für Facebook, der Ende letztes Jahr mit Erfolg an die Börse ging und damit bewies: Auch mit sogenannten Facebook-Apps lässt sich Geld verdienen. Gutenberg: «Hier ist ein Markt entstanden, der inzwischen mindestens so gross wie Facebook selber ist», sagt er. Der Investor ist in 30 Technologiefirmen investiert: «Eine Handvoll hat direkt mit Facebook zu tun.»

Für Nicolas Berg, der als Investor viel Geld mit der Geschäftskontaktplattform Xing verdiente und bei Facebook nicht mitmachte, ist das IPO ein wichtiges Signal. «Die gesamte Social-Media und Internet-Welt schaut gebannt auf den Börsengang. Kommt er gut, wird das der Branche weiter Auftrieb verleihen.»

Dabei könne auch die Schweiz profitieren, ist Berg überzeugt. «In Europa ist Zürich inzwischen die drittwichtigste Startup-Region nach Berlin und London. Hier entstehen pro Jahr 50 bis 100 neue, wirklich heisse Hightech-Startups», sagt der Investor.

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