Die virtuelle Welt von Facebook ist seit dieser Woche etwas realer. Im Genfer Handelsregister hat die Betreiberin der grössten Netzwerk-Plattform eine Niederlassung eintragen lassen: die Facebook Switzerland GmbH. Bisher war Facebook hierzulande nicht mit einer eigenen Firma vertreten.

Noch ist die Gesellschaft eher leblos: Eingetragen wurde sie von Mitarbeitern der Treuhandgesellschaft BDO, die auch gleich den Verwaltungsrat der Firma stellen. Und so kam BDO-Wirtschaftsprüfer und Regionenleiter René-Marc Blaser denn auch zur Ehre, erster Schweizer Geschäftsführer von Facebook zu werden. Auch Büros hat Facebook noch keine. Eingetragen ist die Firma an der Adresse von BDO im Genfer Vorort Châtelaine.

Bedeutend ist die neue Facebook-Niederlassung dennoch, denn sie steht für das Bestreben des sozialen Netzwerks, im Schweizer Werbemarkt noch besser Fuss zu fassen. Der Geschäftszweck der ansonsten noch blassen Firma lässt wenig Zweifel zu: Marketing Support, Verkauf von Werbeflächen, Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation. Facebook Switzerland soll eine klassische Verkaufsorganisation werden.

Facebook ist zunehmend ein interessanter Werbekanal. Laut aktuellen Angaben gibt es in der Schweiz 3,2 Millionen Facebook-Nutzer, die sich dank der viele personenbezogenen Daten von Werbekunden passgenau ansprechen lassen. Weltweit hat Facebook im ersten Quartal 2013 einen Umsatz von 1,46 Milliarden Dollar erzielt.

Der Genfer Anwalt Sébastien Fanti, spezialisiert auf neue Medien, sagte gegenüber der Zeitung «24 heures»: «Ich habe gehört, dass mehrere Firmen in Kontakt mit Facebook stehen, um sich exklusive Werbeverträge zu sichern. Es geht hier darum, sehr viel Geld zu verdienen.»

Facebook werden schon seit längerem Pläne für die Schweiz nachgesagt, schliesslich ist das Land ein gutes Pflaster für IT-Firmen. So unterhält etwa der US-Riese Google in Zürich das grösste Entwicklungszentrum ausserhalb der USA und auch Microsoft und IBM sind hierzulande prominent vertreten. Und so fragte die «SonntagsZeitung» vor drei Wochen Sheryl Sandberg, die Chefin von Facebook: «Als Nächstes kommt Facebook in die Schweiz?» Die 43-Jährige antwortete damals vielversprechend: «Ja, aber noch ist nichts spruchreif.» Die PR-Agentur von Facebook temperierte gestern die Aussage von Sandberg herunter: «Wir fürchten, die Aussage von Sandberg wurde etwas überinterpretiert», lässt ein Sprecher ausrichten. Es sei im Moment nichts geplant, was über die Akquisition von Werbung hinausgehe.

Dass Facebook in nächster Zeit in der Schweiz ähnlich wie Google eine grössere Niederlassung mit Entwicklern und Ingenieuren eröffnet, davon wisse bei der PR-Agentur niemand etwas.

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