Die Büros im moderat alternativen Gewerbehaus «Mitte» an der Gerbergasse 30 in Basel sind angemietet. Im ersten Stock befindet sich der Grossraum, aber eingerichtet ist er noch nicht. Unten im Parterre siehts zurzeit ebenfalls noch nach Provisorium und Improvisation aus. Positiv ausgedrückt: Am künftigen Redaktionsdomizil herrscht spürbarer Pioniergeist.

Im Erdgeschoss werden dereinst Kunden und Leser empfangen. Dort ist auch die Online-Redaktion untergebracht, und gleichenorts soll schliesslich die Zeitung produziert werden. Wer als Passant will, kann das Entstehen der Zeitung durch grosse Schaufenster mitverfolgen.

Eigentlich hätte vergangene Woche der Name der neuen Wochenzeitung definitiv festgelegt werden sollen. «Der Freitag», ursprünglich weit oben auf der Wunschliste, soll mittlerweile ausser Rang und Traktanden gefallen sein.

Mehrere Ateliers wurden eingeladen, den grafischen Auftritt der Zeitung zu konzipieren. Am meisten überzeugt hat offenbar die Arbeit von Matthias Last und Manuel Bürger. Die beiden Berliner Designer haben unter Kreativen den Ruf, innovativ zu sein. Last hat sich Meriten erworben bei der Neugestaltung des Berliner «Freitags».

Wer die neue Zeitung drucken wird, ist noch nicht entschieden. Das ursprünglich favorisierte «englische» Format – ein Mittelding aus herkömmlicher Zeitung und Pendlerblatt – musste wieder verworfen werden. Es gibt in der Schweiz keine Druckerei, die für dieses Format eingerichtet ist. Druckt man auf den herkömmlichen Maschinen, fällt viel Papierüberschuss an. Das geht ins Geld.

Als erster Erscheinungstag dürfte entweder der 28.Oktober oder aber einer der ersten Freitage im November infrage kommen. Sicher ist, dass ab September mit dem Verkauf von Inserateraum begonnen wird. Ob es zu einer Zusammenarbeit (welcher Art auch immer) zwischen der neuen Basler Wochenzeitung und der Basler Ausgabe des «Sonntags» kommen wird, ist vorderhand noch offen.

Die Erwartungen sind hoch in Basel. Dennoch kalkuliert die Crew der neuen Zeitung konservativ: Die Startauflage wird rund 10000 Exemplare betragen, mittelfristig werden aber deutlich mehr angestrebt.

Die Zurückhaltung ist angebracht. Zwar konnte im vergangenen Winter die vom Schriftsteller Guy Krneta initiierte Aktion «Rettet Basel!» über 18000 kritische Leser der «Basler Zeitung» mobilisieren. Der Schritt vom einfachen schriftlichen Protest gegenüber einer in Misskredit geratenen Zeitung hin zum Wechsel zu einem neuen Wochenblatt ist riesig. Schwer wiegt die Gewohnheit, jeden Morgen die Tageszeitung aus dem Briefkasten holen zu können, gross ist die Trägheit, mit einer Abbestellung der Protest-Unterschrift eine Tat folgen zu lassen.

Bald werden auch Bea Frefel und Esther Staub an der Gerbergasse 30 einziehen. Die beiden Frauen haben jahrelang die Lokal- und Regionalredaktion der «Basler Zeitung» als Sekretärinnen «betreut», Frevel sogar jahrzehntelang. Sie galten als Herz und Seele ihrer Ressorts. Und es spricht vieles dafür, dass sie Herz und Seele auch des neuen Blattes werden.

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