Eklat beim «Blick»: Bundeshausjournalist per sofort freigestellt

Nach dem erzwungenen Abgang von Chefredaktorin Andrea Bleicher erschüttert politischer Richtungskampf die Redaktion.

Der Ringier-Newsroom kommt nicht zur Ruhe: Nach den publik gewordenen internen Querelen wegen der Absetzung von «Blick»-Chefredaktorin Andrea Bleicher führt in der Redaktion jetzt ein politischer Richtungskampf zu einem weiteren Eklat. Der langjährige «Blick»-Bundeshausredaktor Henry Habegger ist vergangene Woche per sofort freigestellt worden und verlässt Ringier nach 16 Jahren per Ende Jahr. Die Ringier-Medienstelle bestätigt den Abgang.

Grund für die Freistellung, von der vierköpfigen Interims-Redaktionsleitung veranlasst, ist ein Disput von Habegger mit Andreas Kunz, der kürzlich von der «Weltwoche» zum «Blick» geholt wurde. Entzündet hat sich der Streit an einem Kommentar von Kunz über die von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf verkündete Lösung im US-Steuerstreit. Die Analyse dazu von Habegger erschien dagegen nicht im Blatt. Habegger stellte sich daraufhin in einem E-Mail offen gegen Kunz und die «Blick»-Führung, was dazu führte, dass Kunz noch in der Probezeit die Kündigung einreichte.

Gut aufeinander zu sprechen waren die beiden Journalisten nie. Kunz hatte Habegger in der «Weltwoche» vorgeworfen, ein grafologisches Gutachten zu den Holenweger-Papieren in Auftrag gegeben zu haben, um Christoph Blochers Sturz als Bundesrat zu beschleunigen. Weil das Gutachten Blocher entlastet haben soll, sei es nie veröffentlicht worden. Die «Weltwoche» musste eine Gegendarstellung drucken.

Weder Habegger noch Kunz waren erreichbar. «Seit der Blick vier Chefs hat, macht das Blatt rund um Carlos einen famosen Job. Funktioniert kollektive Führung doch?», twitterte «Weltwoche»-Medienjournalist Kurt W. Zimmermann am Donnerstag. Kunz twitterte zurück: «Die Antwort ist: Nein».

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