Google hat seine Websuche komplett überarbeitet. Seit dieser Woche sorgen neue Algorithmen dafür, dass die Suchresultate noch besser auf die Bedürfnisse des jeweiligen Nutzers zugeschnitten sind. Dafür bezieht Google die persönlichen Informationen, die Nutzer über ihr Google-Konto oder über das soziale Netzwerk Google+ preisgeben, stärker in den Suchvorgang ein.

Auf der englischen Google-Website findet man unter den ersten Treffern der Suchresultate nun auch Einträge und Bilder, auf welche Freunde innerhalb des sozialen Netzwerkes Google+ verweisen. Wann diese Neuerungen auch auf der Schweizer Website (google.ch) aufgeschaltet werden, ist nicht bekannt.

Dass Google die Suchergebnisse personalisiert, ist seit längerem auch bei Suchanfragen auf der Schweizer Google-Website der Fall. Aufgrund von Algorithmen, in die mehrere Dutzend Faktoren einfliessen – etwa der geografische Standort des Suchenden und seine bisher gemachten Suchanfragen –, gewichtet Google die Suchresultate für jeden Nutzer individuell. Dazu speichert Google unsere Suchanfragen und erstellt ein Nutzerprofil von uns.

Der Vorteil der personalisierten Suche liegt darin, dass auch bei einer allgemein gestellten Suchanfrage uns diejenigen Resultate sofort ins Auge springen, die für uns relevant sind. Anderseits führt aber eine starke Personalisierung dazu, dass wir wichtige Informationen, die jedoch nicht in unser Nutzerprofil passen, gar nicht mehr zu Gesicht bekommen.

Eli Pariser, Web-Aktivist und Autor, sieht in diesen Personalisierungsmechanismen eine Gefahr für unsere Gesellschaft. In seinem 2011 erschienenen Buch «The Filter Bubble. What the Internet is Hiding from You» äussert er Bedenken, dass das personalisierte Web dazu führen würde, dass sich die Menschen immer einseitiger informierten. Dadurch werde eine wichtige Bedingung für die Demokratie unterwandert.

Das ist eine starke, aber durchaus plausible These. Das machen die neu eingeführten Personalisierungsmechanismen von Google deutlich. Will man sich über ein Thema informieren und startet dazu eine Suchanfrage – etwa zum «Fall Hildebrand» – so finden sich unter den ersten Treffern Artikel und Blogeinträge, auf welche die eigenen Freunde auf Google+ hinweisen.

In der Regel sind wir eher mit Leuten befreundet, die unsere Meinung teilen, als mit solchen, die komplett andere Ansichten haben. Folglich weist uns Google vermehrt auf Artikel hin, die unsere Ansichten repräsentieren.

Noch verstärkt wird dieses Phänomen, wenn Google damit beginnt – oder ist das vielleicht schon der Fall? – Hinweise von Freunden, deren Beiträge wir öfters anklicken, stärker zu gewichten. Die Folge: Wenn wir uns durch das Informationsnetz bewegen, stossen wir dauernd auf Bestätigung und kaum auf Widerspruch. Ein umfassendes Bild einer Sache kann aber nur erhalten, wer mit verschiedenen Meinungen konfrontiert wird.

Die vielleicht wichtigste Neuerung in Googles Websuche sind deshalb zwei kleine Symbole. Das eine steht vor jedem Suchergebnis, das aufgrund der neuen Personalisierungsalgorithmen zustande gekommen ist. Das andere befindet sich am oberen rechten Rand der Suchmaske. Mit einem Klick darauf werden die Personalisierungsmechanismen ausgeschaltet. Der Nutzer kann also selber entscheiden, ob er eine personalisierte oder eine allgemeine Suche durchführen möchte.

Dies sei ein «grosser Schritt hin zu mehr Transparenz und Kontrolle», sagt Eli Pariser in der Fachzeitschrift «Wired». Allerdings ist nicht klar, welche der mehreren Dutzend Faktoren in Googles Algorithmen tatsächlich ausgeschaltet werden und welche dennoch die «allgemeine Suche» beeinflussen.



Neue Zeitschrift «Statements» aus Basel
Von Michael Heim

«Statements» heisst eine neue Zeitschrift, die schon bald monatlich erscheinen soll. Am 3. Februar komme das erste Heft, bestätigt Daniel Ordas (SP), der Initiant und Herausgeber, gegenüber dem «Sonntag». Eine Internetadresse ist eingetragen, die Marke beim Amt für geistiges Eigentum angemeldet. Die Trägerfirma Statements Media GmbH befinde sich jedoch noch in Gründung. Wer das Medienprojekt finanziert, sagt Ordas nicht. Auch die Namen seiner Parner will er nicht bekanntgeben. Man sei politisch ausgewogen, verspricht er nur.

FDP-Landrat Balz Stückelberger ist begeistert: «Wo Politiker für Journalisten schreiben und nicht umgekehrt», kommentierte er vor kurzem auf Twitter das neue Medium. «Mit 4000 Zeichen von mir in der Erstausgabe.»

In «Statements» sollen in Politiker über aktuelle Themen schreiben. Ohne Honorar. So tritt in der ersten Nummer etwa SP-Nationalrat Beat Jans (BS) gegen SVP-Ständerat Hannes Germann (SH) an. Und Stückelberger streitet sich voraussichtlich mit Parteikollege Hans Furer über die Mindestlohnthematik. «Man verlangte von mir einen individuellen Text, keine Parteifloskeln», sagt Stückelberger. «Das finde ich spannend. Ich hoffe, das machen alle so.»

Das Heft startet laut Ordas mit einer Auflage von «mehreren zehntausend Exemplaren» und werde zunächst gratis verteilt. 20 000 Exemplare würden in der Nordwestschweiz gestreut. Zudem erhalte jeder Bundes- und Kantonsparlamentarier der Deutschschweiz ein Exemplar zugestellt, sagt Ordas. Ziel sei eine Ausrichtung auf die gesamte Deutschschweiz, auch wenn die ersten Ausgaben «noch etwas nordwestschweizslastig» seien. Das Abonnement sei kostenpflichtig. Hauptsächlich solle die Zeitschrift jedoch über Werbung finanziert werden.

Optisch kommt das Heft offenbar eher konservativ und textbetont daher. Ordas beschreibt es als «Zeitschrift mit dem Layout einer Zeitung». Die Titelseite ziert ein Logo in Jugendstil-Aufmachung mit einem reitenden Ritter . Stückelberger, der die Nullnummer gesehen hat, beschreibt sie als «eher NZZig.»

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