VON MARTIN AMREIN

In den Sechziger- und Siebzigerjahren kannte ihn jedes Kind. Mit makellosem Anzug, einem Lächeln und den Worten «Guten Abend, meine lieben Freunde» trat Bernhard Grzimek jeweils an den Bildschirm. Auf dem Schoss stets einen Gast aus dem Frankfurter Zoo: vom putzigen Waschbären über die gefährliche Giftschlange bis hin zum Gorillababy – alle waren mal da.

Zoodirektor Grzimek war leidenschaftlicher Tierfilmer und Umweltschützer, bevor es diesen Begriff überhaupt gab. Seine Familiensendung «Ein Platz für Tiere» wurde über den Hessischen Rundfunk bis in die Schweiz ausgestrahlt und erreichte ein Millionenpublikum. Einschaltquoten von fast siebzig Prozent waren üblich, wenn Grzimek Bilder der bedrohten Natur Afrikas zeigte und unermüdlich um Spenden für deren Erhalt warb.

Der Öko-Pionier, der am nächsten Freitag seinen hundertsten Geburtstag feiern könnte, rüttelte seine Zuschauer immer wieder auf: Als erster Deutscher zeigte Grzimek heimlich gedrehte Bilder einer Robbenjagd. Er prangerte die kanadischen Robbenfänger an, weil sie den Jungtieren bei lebendigem Leib das Fell abzogen.

Die brutalen Aufnahmen brannten sich ins Bewusstsein einer Generation, die sich bisher mehr fürs eigene Auto als für den Naturschutz interessierte. Grzimek ebnete den Weg für die ökologische Bewegung. «Das Abholzen der Regenwälder», sagte er bereits damals, «die Verschmutzung der Weltmeere, insgesamt die Zerstörung der natürlichen Lebensräume für Tiere und Pflanzen, sind eine Form des Krieges der Menschen gegen sich selbst.»

Worte, die der Schweizer Tierfilmer Andreas Moser bestens kennt. Auch er schaute «Ein Platz für Tiere» als Kind: «Grzimek war der Erste, der sich mit Filmen erfolgreich für den Naturschutz einsetzte», sagt Moser heute.

Begonnen hatte alles in den Trümmern des Zweiten Weltkrieges: Auf der Flucht vor den letzten Kriegswirren schlug sich Grzimek im März 1945 nach Frankfurt am Main durch. Hier wollte die amerikanische Besatzungsmacht den ausgebombten Zoo auflösen – nur zwanzig grössere Tiere hatten überlebt.

Doch der studierte Veterinärmediziner Grzimek wehrte sich gegen die Pläne, weshalb ihn Frankfurts Bürgermeister kurzerhand zum neuen Zoodirektor ernannte. In diesem Posten ging er auf: Grzimek liess die beschädigten Bauten wieder herrichten und lockte mit Volksfesten und Schaustellern die Frankfurter Bevölkerung in den Tierpark.

Seit Anfang der Fünfzigerjahre reiste er nach Afrika, um Tiere für seinen Zoo zu fangen. Dabei erkannte Grzimek, dass die Tage der Zebras, Gnus und Löwen ohne Schutzgebiete gezählt sein würden. Um auf die Not-wendigkeit eines Naturparks hinzuweisen, drehte er 1959 gemeinsam mit seinem Sohn Michael den Dokumentarfilm «Serengeti darf nicht sterben».

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