Herr Yanez, Ihre Kollegen bezeichnen Sie als «Vollblutjournalisten». Am Medien-Ausbildungs-Zentrum (MAZ) werden Sie nun kaum mehr journalistisch tätig sein. Da muss es Ihnen doch langweilig werden?
Diego Yanez: Nein. Ich bin schon heute als Chefredaktor nur noch bedingt journalistisch tätig. Hauptsächlich kümmere ich mich ums Management.

Dennoch müssen Sie auf dem Laufenden sein. Das fällt nun weg.
Das stimmt. Mit mittlerweile 55 Jahren habe ich mir aber die Frage gestellt, ob ich bis zur Pensionierung beim SRF bleiben möchte oder noch mal etwas Neues ausprobieren will. Als ich dann die MAZ-Ausschreibung gesehen habe, ist der Entschluss zur Veränderung langsam gereift.

Sie geben den Chefredaktoren-Posten nach nur drei Jahren auf. Dabei haben Sie bei Ihrem Amtsantritt verkündet: «Ich bin ein Garant für Kontinuität.»
Davor war ich aber fünf Jahre lang stellvertretender Chefredaktor. Insgesamt war ich also acht Jahre in zentraler Funktion tätig. Das MAZ ist nun einfach eine tolle Chance.

Was wird Ihre grösste Herausforderung am MAZ?
Die Medien befinden sich in einer Strukturkrise. Überall heisst es: sparen, sparen, sparen. Künftig werden die Verlage wohl auch bei der Ausbildung der Journalisten Abstriche machen. Das ist gefährlich und macht es dem MAZ natürlich schwer. Die Schule finanziert sich zu 80 Prozent aus Schulgeldern.

Da spricht schon ganz der MAZ-Direktor. Beim SRF haben auch Sie Stellen abgebaut.
Das Budget für die Ausbildung ist bei allen Umschichtungen aber nie tangiert worden. Die Verlage müssen verstehen, dass die Ausbildung nicht nur Aufwand bedeutet, sondern eine Investition in die Zukunft ist.

Was wollen Sie den jungen Journalisten vermitteln?
Journalisten müssen heute multimedial arbeiten. Die Ausbildung muss sich entsprechend anpassen und neue multimediale Angebote schaffen, die laufend erneuert werden.

Klingt als müsse der Journalist der Zukunft am besten alles gleichzeitig können: Schreiben, fotografieren und Beiträge schneiden.
Ich glaube, der Journalist der Zukunft wird sich noch immer thematisch spezialisieren. Allerdings muss er sein Produkt auf verschiedenen Plattformen publizieren können. Einfach einen Zeitungsartikel zu schreiben, reicht heute nicht mehr. Man benötigt noch eine Version für die App und eine abgeänderte Fassung für den Online-Auftritt. Es braucht eine Spezialisierung im Inhalt und eine Ausweitung bei der Technik.

Sie waren 24 Jahre für das SRF tätig. Worauf sind Sie besonders stolz?
Meine beste und intensivste Zeit hatte ich als Nahost-Korrespondent in Jerusalem. In den Neunzigerjahren gab es einen kurzen Moment, da schien es fast so, als ob dieser jahrzehntealte Konflikt hätte gelöst werden können. Leider wurden diese Hoffnungen weggebombt.

Haben Sie eine ähnlich intensive Zeit in der Chefredaktion erlebt?
Das war wohl während des Arabischen Frühlings und Fukushima 2011. Wir produzierten so viele Sondersendungen wie nie zuvor. Oft schickten wir auch eigene Leute in die betroffenen Gebiete.

Sie gelten diesbezüglich aber als besonders vorsichtig.
Natürlich schicken wir jetzt keine Leute nach Syrien. Lebensgefahr kann ich nicht verantworten.

CNN und andere Stationen sind fast immer vor Ort.
CNN verliert auch jährlich Kolleginnen und Kollegen in diesen Gebieten. Kein Bild ist es Wert, das Leben eines Reporters oder Kameramanns aufs Spiel zu setzen.

Sie heben die Sondersendungen als besonders positiv hervor. Es gab aber auch Formate, die doch enttäuscht haben.
Auch uns passieren leider Fehler. Von unseren Sendungen war ich aber nie enttäuscht. Wenn man täglich fünf Stunden Fernsehen macht, war natürlich nicht jeder Beitrag so gut, wie man ihn sich wünscht.

Ihnen ist es als Chefredaktor nicht gelungen, ein neues Format zu lancieren. Ein geplantes Mittagsmagazin wurde nach Testaufnahmen wieder verworfen.
Wir haben uns entschieden, unsere Mittel auf das Hauptabendprogramm zu konzentrieren. Dann erreichen wir die meisten Zuschauer. Ausserdem gibt es keinen Grund, etablierte Sendungen wie «10 vor 10» oder «Kassensturz» aus dem Programm zu nehmen. Sie werden aber schrittweise modernisiert.

Das SRF steht oft in der Kritik. Haben diese Anfeindungen und Nebenschauplätze wie zuletzt der Streit mit Christoph Mörgeli dazu beigetragen, dass Sie das Fernsehen verlassen?
Nein. Wir stehen unter ständiger Beobachtung. Uns geht es wie der Fussball-Nati. Jeder hat eine eigene Ansicht, was die richtige Aufstellung ist. Und beim Fernsehen glauben auch alle zu wissen, wie es besser geht. Damit müssen wir leben. Wer mit Kritik nicht umgehen kann, besteht keine drei Monate in diesem Job.

In der Kritik stehen seit längerem die Nachrichtensendungen. «Tagesschau», «10 vor 10», «Rundschau» und «Arena», alle haben deutlich an Zuschauern verloren.
Ich wäre beunruhigt, wenn wir die Gründe dafür nicht kennen würden. Aber wir wissen ja, woran es liegt. Die Onlineangebote machen uns Konkurrenz. Dasselbe gilt für die immer grösser werdende Anzahl von Sendern.

Die Kritik betrifft aber auch den Inhalt. Die «Arena» hat stark an Relevanz verloren.
Die «Arena» steht seit ihrer Einführung in der Kritik. Es ist ja schon zur Mode geworden, auf die «Arena» einzuprügeln. Die «Arena» ist aber nach wie vor ein Referenzpunkt, an dem sich der politische Diskurs orientiert.

Dennoch haben Sie angekündigt, die «Arena» neu auszurichten.
Wir arbeiten seit kurzem an einem Relaunch und haben erste Schritte eingeleitet. Der Start der runderneuerten «Arena» ist allerdings erst 2015 geplant.

Welche Ziele wollen Sie in den letzten vier Monaten noch erreichen?
Es gibt neben der «Arena» noch andere Projekte. Beispielsweise werden wir «Einstein» genau unter die Lupe nehmen. Auch für die Vorwahlberichterstattung 2015 wollen wir einiges erneuern. Konkretes kann ich noch nicht sagen. Das wird dann mehr meinen Nachfolger oder Nachfolgerin beschäftigen.

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