Die Vision der grossen Holding

Geredet und gemunkelt wird viel, nicht zuletzt in der Medienbranche. Ein Teil entspricht den Tatsachen, ein anderer Wunschdenken, ein dritter ist reine Erfindung. Doch nicht selten war es die Fantasie zur richtigen Zeit, die Fakten schuf.

So geht derzeit das Gerede, verschiedene Zeitungen stünden zum Verkauf. Darunter die «Basler Zeitung» und die Zeitungen der Tamedia, was eine Sensation wäre. Mehr noch wird kolportiert: Die NZZ-Gruppe soll als Käuferin auftreten.

Was sich verwegen anhört, wäre nicht ohne Logik. Denn dass die Tamedia ihre gedruckte Ware (mit Ausnahme von «20 Minuten») abstösst, solange sich dafür Geld verlangen lässt, ist für einen geldgetriebenen Konzern naheliegend. Und dies wird nicht erst dann sein, wenn die überdimensionierte Druckmaschine zu ersetzen ist. Die NZZ-Gruppe bietet sich zudem alternativlos als Auffangbecken an. Sie verfügt mit der Freien Presse Holding auch über ein Gefäss, um die Regionalzeitungen aufzunehmen.

Einwände gibt es natürlich; ein wenig schlagkräftiges NZZ-Management, fehlende Finanzkraft. Doch jeder Nachteil hat seinen Vorteil. So wären externe Berater gefragt, und die könnten raten: Die NZZ-Gruppe stockt das Kapital auf und lässt mit gelockerten Vinkulierungsbestimmungen neue Aktionäre zu. Zwecks Ausfinanzierung und augenscheinlicher Demokratieverträglichkeit sollten die Regionalzeitungen als Töchter geführt werden mit lokalen Minderheitsaktionären, die publizistisch das Sagen erhielten.

Die teilautonomen Zeitungen hätten sicher die Unterstützung von Tettamantis rechtsbürgerlichen Medienvielfalt Holding. Damit wäre die «Basler Zeitung» mit im Boot. Und ein alter Plan würde Realität.

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