Die Werbespots in der Schweiz sind im internationalen Vergleich ein echtes Schnäppchen. Doch auch wer hierzulande in prestigeträchtigen und beliebten Sendungen sein Produkt anpreisen will, muss tief in die Tasche greifen.

Am teuersten wird es gleich nach dem «Uf wiederluege» der «Tagesschau»-Moderatoren um 19.50 Uhr. Ein 30-Sekunden-Spot zwischen «Tagesschau» und «Meteo» kostet bis zu 22 300 Franken – das ist Rekord in diesem Monat (siehe Tabelle). Auf den weiteren Plätzen folgen unter anderen die Sendungen «10 vor 10» und «Tatort». Hier müssen die Werbekunden für 30 Sekunden 13 800 Franken hinblättern. Ebenfalls zur Spitzenkategorie zählt das Schweizer Werbefenster von Pro 7 mit ihrem Quotenhit «The Voice of Germany» (13 200 Franken).

Die Kosten hängen in erster Linie von den Zuschauerzahlen und den Sendezeiten ab. Hinzu kommt, dass die Preise je nach Jahreszeit und je nach Wochentag variieren. Weitere Faktoren spielen eine Rolle: Der Platz nach der «Tagesschau» sei auch deshalb beliebt, weil der Werbeblock sehr kurz und das Potenzial des Wegzappens entsprechend klein sei, sagt Publisuisse-Sprecherin Romi Hofer. «In der fixen Programmstruktur ist dieser Werbeblock seit Jahren der Spitzenreiter.»

Die TV-Werbung sei weiterhin die effektivste Möglichkeit, schnell viele Leute zu erreichen, sagt Medienökonom Bjørn von Rimscha. Er bezweifelt allerdings, dass der Platz nach der «Tagesschau» für alle Werber der effektivste ist. Emotionale Werbung wirke unbewusst und besonders dann, wenn sich der Rezipient in einer positiven Grundstimmung befinde. Das sei nach einer analytischen «Tagesschau» oder «Rundschau» eher nicht der Fall.

In den USA sind es deshalb nicht Werbespots während Nachrichtensendungen, die am teuersten sind, sondern die während einer Sitcom. «Am Ende jeder Folge befindet sich der Zuschauer in einer heilen Welt», sagt von Rimscha. «In einer solchen Umgebung wollen die Werber gerne ihr Produkt sehen.» Ungeschlagen ist dabei die «The Big Bang Theory». Ein 30-Sekunden-Spot zwischen den Diskussionen über Teilchenphysik und Star Trek kostet 326 000 Dollar.

Geschlagen wird die Serie nur von der Super Bowl, dem grössten Football-Event der Welt. Für einen Spot müssen die Werbekunden dann fast 4 Millionen Dollar ausgegeben.

Grosse Live-Events wie die Fussball-WM locken auch viele Schweizer Zuschauer vor den Bildschirm, was die Werbepreise nach oben treibt. Das zeigte sich vor einigen Wochen in der RTL-Boxnacht. Ein Spot während des Kampfes Klitschko gegen Povetkin kostete hierzulande 12 800 Franken. Auf solche Zahlen kommen die Schweizer Privatsender natürlich nicht. Doch wenn Bachelor Vujo Gavric seine Rosen verteilt, kann 3+ immerhin 5000 Franken für 30 Sekunden verlangen.

Die von der Publisuisse und dem Vermarkter Goldbach Media veröffentlichten Zahlen weisen allerdings den Bruttopreis aus. Meistens können die Werber noch Rabatte aushandeln. So stiegen zwar die Bruttopreise in den letzten fünf Jahren, hingegen sind die Nettopreise gefallen. Publisuisse hat im vergangenen Jahr 294 Millionen Franken aus der TV-Werbung eingenommen. 2011 waren es noch rund 320 Millionen.

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