Rupert Murdoch ist 82 Jahre alt, steht mit 11,2 Milliarden Dollar auf Platz 91 der reichsten Menschen der Welt, hat sechs Kinder von drei verschiedenen Frauen und befindet sich im Scheidungskampf mit seiner Frau Nummer drei, Wendi Deng. Man könnte meinen, der Mann habe erstens: genug verdient, um in Rente zu gehen, und zweitens: privat ausreichend zu tun, um es beruflich etwas langsamer angehen zu lassen.

Im Psychogramm eines typischen Medienmoguls scheint die Idee des Kürzertretens aber nicht wirklich vorgesehen. Murdoch will es jetzt noch einmal richtig wissen. «Ich habe die aussergewöhnliche Gelegenheit, die die meisten Menschen in ihrem Leben niemals bekommen: Die Chance, noch einmal von vorn anzufangen.» So sprach der News-Corp-Chef Ende Mai zu Investoren auf einer Konferenz in New York. Gemeint war damit Murdochs Plan, sein milliardenschweres Imperium in zwei Firmen aufzuspalten.

Schon seit vergangener Woche werden die Aktien der neuen Unternehmen getrennt an der Börse gehandelt, am Freitag trat die Teilung offiziell in Kraft. Die hochprofitablen Film- und Fernsehfirmen einschliesslich der Filmstudios 20th Century Fox, des US-Fernsehsenders Fox News und der Beteiligung am britischen Pay-TV-Sender BSkyB werden in dem neu geschaffenen Konzern 21st Century Fox abgetrennt.

In der Hülle von News Corp verbleibt dagegen das weniger lukrative Zeitungsgeschäft mit 130 Titeln, darunter «Wall Street Journal», «New York Post», die Londoner «Times» und die ebenfalls britische «Sun». Ebenfalls zu der alten Firma soll weiterhin der Buchverlag Harper Collins gehören, das Bildungs-Startup-Amplify, die Online-Immobilienplattform REA und ein Teil des AustralienGeschäfts, darunter Murdochs Anteil an dem äusserst erfolgreichen Bezahlfernsehanbieter Foxtel.

Letzteres macht inhaltlich wenig Sinn. Experten vermuten, Murdoch wolle aus einer Sentimentalität heraus die gewinnträchtigen Australiengeschäfte bei News Corp behalten. So hätte der Konzern eine bessere Chance, langfristig zu überleben.

Die Logik hinter der Aufspaltung ist nämlich eine einfache, die man schon von Aschenputtel kennt: die Guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen. Nicht ohne Grund hat die neue Firma unter Börsianern den Spitznamen «good co» («gutes Unternehmen») bekommen, während News Corp «crap co» («Schrott-Unternehmen») genannt wird.

Spätestens seit dem Abhörskandal bei Murdochs britischen Zeitungen «Sun» und der mittlerweile eingestellten «News of the World» vor zwei Jahren hatten Investoren Druck ausgeübt, das schwächelnde Zeitungsgeschäft abzuspalten. Nicht nur die jüngsten Skandale, auch der Strukturwandel im Internet lassen die Gewinne im Printgeschäft schwinden. Die Sorge der Aktionäre war gross, dass dies langfristig den ganzen Konzern in den Abgrund ziehen könnte.

News Corp ist nicht der einzige Medienkonzern, der seine Unternehmensbereiche auf Profitabilität trimmt. Das französische Konglomerat Vivendi etwa prüft gerade den Verkauf der Telekomsparte, um sich auf das Unterhaltungsgeschäft konzentrieren zu können. News-Corp-Konkurrent Time Warner kündigte im März an, seine Magazin-Sparte Time Inc. abzuspalten. Sony wird von Investoren gedrängt, das Film- und Musikgeschäft von der Elektroniksparte zu trennen.

Die gängige Meinung an der Börse lautet: Grösse ist doch nicht alles. Synergien lassen sich nur dann erzielen, wenn die Konzernbereiche sich gegenseitig befruchten und ähnliche Wachstumspotenziale haben. Gerade bei Medienkonzernen ist das jedoch oft nicht der Fall, was an dem bereits erwähnten Psychogramm des Medienmoguls zu liegen scheint. Im 2009 erschienenen Buch «The Curse of the Mogul» (Der Fluch des Moguls) kommen die Autoren zum Schluss, dass Medienkonglomerate an der Börse oft hoffnungslos falsch bewertet sind. Grund sei vor allem der Hang der Firmenchefs, Zukäufe nicht aufgrund von Gewinnchancen zu tätigen. Stattdessen spielten persönliche Vorlieben, Eitelkeiten und der Wunsch nach politischem Einfluss eine grosse Rolle.

Ein Paradebeleg für diese Theorie ist Murdochs Kauf der Nachrichtenagentur Dow Jones und des «Wall Street Journal» im Jahr 2007. Der Kaufpreis von rund 5,6 Milliarden war rund doppelt so hoch wie der damals aktuelle Marktwert. Ähnlich daneben war auch Murdochs Impulskauf des sozialen Netzwerks MySpace. 2005 zahlte News Corp 580 Millionen Dollar für die Internetfirma, sechs Jahre später stiess Murdoch die Investition für schmale 35 Millionen Dollar ab.

Nun würde man Murdoch aber Unrecht tun, ihn einen schlechten Geschäftsmann zu nennen. Immerhin hat er aus dem provinziellen, australischen Zeitungsverlag seines Vaters den zweitgrössten Medienkonzern der Welt geformt.

In seinen beiden neuen Firmen wird der Patriarch auch künftig eine grosse Rolle spielen. Für 21st Century Fox hat er sich den Posten des Vorstandschefs und des Verwaltungsratschefs zugesprochen. Bei News Corp will er nur noch als Verwaltungsratsvorsitzender auftreten. Die Rolle des Konzernchefs übernimmt Robert Thomson, der zuvor unter anderem als Chefredaktor des «Wall Street Journal» und der «Times» tätig war.

Die Aufspaltung des Konzerns bietet für beide Teile neue Chancen. 21st Century Fox etwa könnte nun endlich die verbleibenden 61 Prozent am britischen Pay-TV-Netzwerk BSkyB kaufen. Die geplante Übernahme war jahrelang von der britischen Wettbewerbsbehörde aufgehalten worden. Zusammen mit Murdochs Zeitungen in Grossbritannien, so die Bedenken, würde die News-Corp-Marktmacht zu gross. Als der Skandal um abgehörte Telefone 2011 über den Konzern hereinbrach, zog Murdoch das Übernahmeangebot entnervt zurück. Da Zeitungs- und TV-Geschäft künftig getrennt sind, könnte er jedoch einen neuen Anlauf wagen.

Auch für News Corp schmiedet der Mogul Pläne. Zwar umfasst das neue Unternehmen die lahmen Enten unter den Geschäftsbereichen, trotzdem kann die Firma eine Zukunft haben. Vor der Aufspaltung befreite Murdoch News Corp von sämtlichen Schulden und stattete das Unternehmen mit Bargeldbeständen von 2,6 Milliarden Dollar aus.

Die Journalisten in Murdochs Zeitungsreich können sich deswegen aber keineswegs über grosszügige Gehaltserhöhungen freuen. News-Corp-Chef Thomson kündigte vor einigen Wochen an, die Kürzungen bei den Printtiteln würden «umbarmherzig» ausfallen.

Geld soll dagegen für neue Akquisitionen da sein: Auf der Wunschliste Murdochs steht Spekulationen zufolge die «Los Angeles Times». Der bisherige Besitzer Tribune Company will allerdings seine ganze Zeitungsgruppe von acht Titeln im Block verkaufen. Murdoch hat an dem Rest angeblich wenig Interesse. Auch Time Inc. wäre ein mögliches Übernahmeziel für News Corp. Die Gruppe aus Magazinen wie «Time», «Fortune», «InStyle» und «Sports Illustrated» soll bis zum Ende dieses Jahres vom Mutterkonzern Time Warner abgekoppelt werden. Der Kaufpreis wird auf 3 Milliarden Dollar geschätzt – eine Summe, die sich News Corp durchaus leisten könnte.

Viele neue Abenteuer also, die in den kommenden Jahren für den alternden Mogul anstehen. Vielleicht sind die geschäftlichen Herausforderungen ja auch eine gute Ablenkung von dem Ärger mit seiner Noch-Ehefrau Deng. Der Scheidungskrieg der beiden könnte zäh und teuer verlaufen. Gut für Murdoch, dass er künftig noch mehr verdient. Für seine Dreifachfunktion in den beiden Konzernen spendierte er sich selbst eine saftige Gehaltserhöhung. 28,3 Millionen Dollar wird Murdoch künftig jährlich nach Hause bringen – stolze 15 Prozent mehr als bisher. Da könnte er sich glatt eine Ehefrau Nummer vier leisten. Aspirantinnen für den Posten dürfte der Milliardär sicher leicht finden.

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