Die «Rundschau» berichtete diese Woche exklusiv und explosiv: Die Zürcher Trambeschaffung sei ein Skandal, der Anbieter Bombardier sei in der Bewertung der Offerten krass bevorzugt worden. 70 neue Fahrzeuge wollen die Zürcher Verkehrsbetriebe (VBZ) anschaffen und dafür gut 300 Millionen Franken ausgeben.

Der deutsche Ingenieur Martin Weis ist der «unbeteiligte Experte», den das Fernsehmagazin als Kronzeugen aufruft. Gleich zu Beginn des Beitrags platziert Weis die Hauptbotschaft: «Das Verfahren muss neu aufgesetzt werden.» Weis ist nach der Lektüre eines vertraulichen Zwischenberichts des Winterthurer Expertenbüros Molinari zu diesem Schluss gekommen. Der Bericht wurde vom Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) in Auftrag gegeben, weil er den mit der Evaluation der Offerten betrauten VBZ misstraut.

Der Darstellung in der «Rundschau» mangelt es allerdings an Glaubwürdigkeit, unabhängig zu sein. Zum einen ist Weis zumindest seit Februar 2014 geschäftlich mit Molinari verbunden. Für die «Rundschau» ist dies nicht von Belang. Redaktionsleiter Mario Poletti erklärt auf Anfrage, Weis arbeite gemäss dessen Auskunft derzeit nicht mit Molinari zusammen und habe erst durch die «Rundschau» erfahren, dass es den Zwischenbericht überhaupt gebe. Weis ist zudem gut bekannt mit Stadler Rail, die ebenfalls offerierte. Als Geschäftsführer der Potsdamer Verkehrsbetriebe war er 2009 für die Anschaffung von Stadler-Trams verantwortlich – und musste später seinen Platz räumen. Gegenüber der «Schweiz am Sonntag» äussert sich Stadler-Rail-Chef Peter Spuhler deckungsgleich mit Weis.

Zum anderen legen die im «Rundschau»-Bericht abgefilmten «Belege» wenig überzeugend dar, dass tatsächlich eine Bevorzugung Bombardiers vorliegt. Im Fall der angeblich problematischen Beurteilung des Crashkonzepts zeigt eine Analyse der Fernsehbilder vielmehr, dass unterschiedliche Kategorien in den Zoom genommen werden, um das angeblich Ungeheuerliche zu beweisen. Anders gesagt: Die «Rundschau»-Bilder beweisen nichts, auch nicht das Gegenteil.

Von der «Rundschau» und ihrem Experten Weis gänzlich ausgeklammert werden die von Molinari wiederholt angeführten Bemerkungen, der Zwischenbericht lasse aufgrund «eines begrenzten Zugangs zu den Dokumenten» eine «abschliessende Beurteilung» nicht zu. Doch Relativierungen finden wenig Platz, wenn die Wogen hochgehen und das Exklusive auch noch explosiv ist.

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