Dieter Hahn, Wortführer der Constantin Medien AG, stellte beim Glarner Kantonsgericht zwei Anträge auf provisorische Verfügungen. Zum einen müsse ein Darlehen der Glarner Finanz AG des Filmproduzenten Martin Hellstern zugunsten der Constantin Medien Zug um Zug aufgelöst werden. Der seit 2009 bestehende und mit fünf Prozent verzinste Kredit beträgt rund 40 Millionen Franken. Abgesichert ist er durch Aktien der Constantin Medien (CM) an der Highlight Communications (HLC). Speziell: Das Pfand hat den 3,4-fachen Wert des eigentlichen Darlehens. Im zweiten Antrag wollte die CM verhindern, dass die Stella Finanz über die Aktien verfügen kann.

Was sich kompliziert anhört, ist auch kompliziert: Die Stella Finanz hatte zunächst einer Auflösung des Vertrags zugestimmt, dann jedoch verweigert. Hahn habe seinerseits keine Anstalten gemacht, sich an Abmachungen zu halten. So die Begründung.

Das Kantonsgericht hatte im Juli die provisorische Verfügung erlassen. Das eigentliche Rechtsbegehren hat es nun aber abgelehnt, wie aus den Urteilen hervorgeht, die der «Schweiz am Sonntag» vorliegen. Die Rechtslage sei derart unklar, meint das Gericht, dass die Komplexität nicht in einem summarischen Verfahren, sondern nur in einem Hauptverfahren geklärt werden könne. Die provisorischen Verfügungen sind aufgehoben, sollte dagegen nicht Rekurs eingereicht werden.

Verkauf der Constantin Film
Das juristische Hickhack hat einen handfesten Hintergrund: Solange Hellstern 30 Prozent der HLC-Aktien blockiert, verfügt Hahns Constantin Medien selbst auch nur über 30 Prozent an der HLC. Hahn will jedoch den Durchgriff auf die HLC und braucht dazu eine Mehrheit der Aktien. Strategisch will Hahn damit den Verkauf der Constantin Film durchsetzen, die im verschachtelten Konstrukt aber von der HLC beherrscht wird. Der Streit wird mittlerweile auch auf persönlicher Ebene ausgetragen. Im Visier von Hahn steht Bernhard Burgener, der starke Mann bei der HLC und Minderheitsaktionär der CM.

Was offensichtlich ist, bleibt juristisch nur schwer festzumachen: Mit der Verweigerung, das Darlehen abzulösen, vertritt Hellstern die Interessen des mit ihm verbundenen Burgener. Filmreifer hat sich wohl noch nie eine Firma dem Diktat seines Mehrheitseigentümers widersetzt.

Norbert Essing, Sprecher von Dieter Hahn mit dem Ruf eines Haudegens, spart nicht mit Vorwürfen gegen Burgener. Ohne Wissen der Instanzen habe dieser Transaktionen vorgenommen, Aktien unter Preis abgegeben und damit das Unternehmen geschädigt. Zudem hätten er und seine enge Gefolgschaft zu hohe Honorare bezogen. Aloys Hirzel, Sprecher und Strategieberater von Bernhard Burgener, spricht davon, die Gegenseite schrecke offensichtlich nicht davor zurück, ruf- und kreditschädigende Informationen einzusetzen. Dabei lägen für alle Transaktionen und Bezüge von den zuständigen Verwaltungsräten ordnungsgemässe Beschlüsse vor.

Die Geschichte dreht im Kreis. Constantin Film, die nach Willen von Hahn nun für 200 Millionen Euro versilbert werden soll, gehörte einst zum Imperium des Leo Kirch. Als dessen Reich im Konkurs zerfiel, kam die Filmfabrik über Vermittlung des «Teleclub»-Chefs Stefan Sager zum Schweizer Video- und Filmhändler Bernhard Burgener und dessen Highlight Communications.

Vor elf Jahren wurde dann die HLC vom Hedgefonds-Managers Florian Homm bedrängt, der die unterbewerteten Aktien aufkaufte. Als weisser Ritter zauberte Burgener kurz vor der unfreundlichen Übernahme das Finanzhaus Drueker & Co. aus dem Hut, das Homm auskaufte. Doch 2007 zeigte sich: Kirch und sein Ziehsohn Dieter Hahn waren die eigentlichen Geldgeber.

Mit allen Wässerchen gewaschen
Seit Jahren wogt der Kampf zwischen Hahn und Burgener. Hatte der Schweizer lange Zeit Oberwasser, versucht Hahn seit rund zwei Jahren, Burgener auszubremsen. Doch auch dessen Umfeld nutzt alle Kniffe, um sich zu wehren. So war plötzlich nicht mehr sicher, wem eigentlich die Darlehensgeberin Stella Finanz AG gehört. Sie sei an eine marokkanische Source du Sud verkauft worden, geht aus dem Aktienregister hervor. Von ihr führen die Spuren allerdings wieder nach München zum Filmproduzenten Hans Brockmann. Und der gehört zum Umfeld Hellstern.

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