Die Highlights des Magazins «Umwelt» sind Titel wie «Comeback der Steinfliege in Steinach» und «Freie Bahn für freie Wiesel». Die Fantasie stammt aus den Amtsstuben des Bundesamts für Umwelt. Für 180 000 Franken pro Ausgabe lässt dieses das 64 Seiten dicke Heft produzieren. Damit werde die Bevölkerung für die Umwelt sensibilisiert, heisst es im publizistischen Leitfaden.

Das Magazin soll auf allen Kanälen wachsen. Die Auflage wurde in den vergangenen zehn Jahren von 53 000 auf 65 000 Stück gesteigert und hat somit jene von «24 heures» übertroffen, der auflagenstärksten französischsprachigen Zeitung der Schweiz. Doch die «Umwelt» hat wie viele Schweizer Medien ein Problem: In der heutigen Form hat sie keine Zukunft. Siebzig Prozent der Leser sind über fünfzig Jahre alt, nur fünf Prozent sind jünger als dreissig. Das E-Paper hat praktisch keine Leser.

Nun bereitet das Bundesamt für Umwelt den Schritt ins digitale Zeitalter vor: Es sucht eine Firma, welche die Inhalte während vier Jahren für verschiedene Online-Kanäle produziert. Budgetiert sind 1,3 Millionen Franken. Andere Medien würden diese Kosten teilweise bei der Printversion einsparen. Nicht aber der staatliche Verleger. Er hält an der gratis verbreiteten gedruckten Ausgabe im gleichen Umfang fest.

Staatliche Medienvielfalt
Das Magazin «Umwelt» gehört zu den drei teuersten Publikationen der Bundesverwaltung. Der Reigen reicht von «Swissmintinfo», einer Zeitschrift der Finanzverwaltung für Münzensammler, bis zum «Eisbrecher», dem Kundenmagazin des Bundesamts für Informatik und Telekommunikation. Insgesamt verschlingt diese staatliche Pressevielfalt jährlich Steuergelder von fast drei Millionen Franken, wie das «St. Galler Tagblatt» kürzlich berechnet hat.

Das publizistische Flaggschiff der Bundesverwaltung ist «Die Volkswirtschaft» des Staatssekretariats für Wirtschaft Seco. Die zehn Ausgaben pro Jahr verursachen Kosten von einer Million Franken. Dabei bewegt sich die Auflage der Printversion auf dem Niveau einer Studentenzeitung: 3000 Exemplare. Es ist die einzige Publikation des Bundes, die kein reines Gratisblatt ist. Der Betrag von zwölf Franken pro Heft wird allerdings nur einem Drittel der Abonnenten in Rechnung gestellt.

Das Seco ist den anderen Verwaltungsstellen einen Schritt voraus. Vor einem Jahr lancierte es eine iPad-App. Die Investition von 120 000 Franken hat sich bisher nicht ausbezahlt. Erst 600 Leute haben die Anwendung installiert. Auf den 72 Seiten des Hefts publizieren Experten wirtschaftspolitische Fachartikel. Seco-Sprecherin Antje Baertschi erklärt, weshalb die Hochglanzpublikation für die Schweizer Medienbranche unverzichtbar sei: «Die Artikel sind einzigartig, da sie in verständlicher Form in die Tiefe gehen.» In dieser Länge würden sich in der Tagespresse keine Beiträge «platzieren» lassen, sagt sie.

Das Aussendepartement ortet bei Themen der Entwicklungszusammenarbeit ein Vakuum im Schweizer Medienmarkt. Viermal jährlich publiziert es deshalb «Eine Welt». Kostenpunkt: eine halbe Million Franken. Die Auflage ist in den vergangenen zehn Jahren von fast 60 000 auf gut 50 000 Exemplare geschrumpft, ist damit aber immer noch grösser als jene der «Basler Zeitung». Allerdings landet ein Drittel der 36 Seiten dicken Hefte im Lager, damit die Entwicklungshelfer sie an Veranstaltungen verteilen können. Das Aussendepartement hat den Anspruch, echten Journalismus zu betreiben. George Farago, Sprecher des Aussendepartements, sagt: «Um die Unabhängigkeit der Inhalte und den journalistischen Stil in Bezug auf sprachliche Qualität, Ausgewogenheit und einen kritischen Blick sicherzustellen, besteht die Redaktion aus freischaffenden Journalisten.» Das Magazin greife Themen auf, die von privaten und gebührenfinanzierten Medienhäusern nicht oder kaum behandelt würden. Die aktuelle Titelgeschichte des Gratisblatts: «Weltweit gibt es 1,8 Milliarden Jugendliche – ein riesiges Potenzial.»

Umstrittene Online-Strategie
«Eine Welt» erscheint bald auch in der digitalen Welt. Das Departement plane, die Präsenz im Netz aufzuwerten, etwa mit einer eigenen Website, sagt Sprecher Farago. Die «Volkswirtschaft» ist derzeit das einzige Staatsmedium mit eigenständigem Internetauftritt. Im Bundesamt für Umwelt hat die Kommunikationsabteilung dies für ihre «Umwelt» zwar erwogen, aber wieder verworfen. Eine eigene Website wäre nicht nur teuer, sondern könnte auch politisch umstritten sein, befand sie in einer internen Analyse. Offenbar ist man sich in der Verwaltung durchaus bewusst, dass sich der staatliche Journalismus auf heiklem Terrain bewegt.

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