Die SRG geht auf Reisen. 100 Mitarbeiter der öffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehgesellschaft zieht es während der Fussball-Weltmeisterschaft nach Brasilien. Dort werden sie für das Schweizer Radio und Fernsehen SRF sowie die Westschweizer und Tessiner Pendants RTS und RSI das WM-Programm produzieren. Die Hälfte der 100 SRG-Angestellten vor Ort seien Journalisten, sagt Stefan Wagner, WM-Projektleiter der Business Unit Sport der SRG. 11 Personen seien zudem lokale Angestellte. Der Personalaufwand ist damit deutlich geringer als etwa bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi, als noch 250 Personen für die SRG im Einsatz waren.

Technisch stellen sich allerdings Probleme. Ende März erfuhr die SRG beispielsweise, dass die Glasfaserverbindung vom Hotel der Schweizer Nationalmannschaft in Porto Seguro zum internationalen Sendezentrum IBC in Rio nicht zustande kommt. «Das hat einige Krisensitzungen nach sich gezogen», sagt Wagner.

Nun werden die Bild- und Tonsignale über Richtstrahl- und Satellitenverbindungen transportiert. Die SRG könne auf drei unabhängigen Wegen zeitgleich senden. «Ob das alles funktionieren wird, wissen wir erst nach den Tests am 1. Juni», sagt Wagner.

Weil das Preisniveau in Brasilien während der WM sehr hoch ist, verzichtet die SRG zudem auf einen eigenen Übertragungswagen. Für die Schweizer Spiele, bei denen die SRG mit zwei bis vier eigenen Kameras im Stadion präsent ist, wird Material vom Anbieter Host Broadcast Services (HBS) angemietet. Die Kameraleute stellt die SRG respektive die Tochter tpc. Die in Zug beheimatete Infront-Tochter HBS ist Haupt-Produzent der TV-Übertragungen. Mit den eigenen Kameras können beispielsweise Interviews am Spielfeldrand geführt werden. Die SRG arbeitet darüber hinaus im Materialbereich mit dem ZDF zusammen. Mit dem ZDF seien auch ähnliche Probleme im Vorfeld diskutiert worden, sagt Wagner.

Das Material der SRG ist bereits in Brasilien. Ein Teil wurde Mitte April nach Rotterdam gefahren und von dort auf ein Schiff nach Rio geladen. «Ein weiterer Teil wurde mit dem Flugzeug nach Brasilien transportiert», sagt Wagner.

Ein eigentliches WM-Studio wird die SRG in Brasilien nicht betreiben. Das WM-Studio des Schweizer Fernsehens etwa wird im Hauptsitz in Zürich-Leutschenbach eingerichtet. Dort führen Matthias Hüppi und Rainer M. Salzgeber durch die Sendungen. Am Standort der Schweizer Nati in Porto Seguro wird die SRG ein Klein-Studio mit drei Kameras aufbauen. Zudem stehen drei weitere sogenannte Stand-Up-Positionen für Spielerinterviews zur Verfügung.

Das Schweizer Fernsehen wird alle 64 Spiele der Fussball-Weltmeisterschaft live übertragen. Finden zwei Spiele gleichzeitig statt, wird eines auf SRF info gezeigt – allerdings nicht in HD-Qualität. Davon betroffen sind acht Spiele, beispielsweise die Partien Ecuador - Frankreich oder Australien - Spanien.

Schweizer Fussballfans können die WM-Spiele auch auf ZDF und ARD, auf ORF oder auf BBC und ITV verfolgen.

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